Wie bitte, kurz vor den Sommerferien sind doch die winterlichen Solothurner Filmtage kein Thema – könnte man meinen. Falsch gemeint, sie sind es sehr wohl.
Um einen jährlich stattfindenden Anlass, der bereits fünfzig Mal über die Bühne gegangen ist, muss man sich im Hinblick auf die nächsten fünfzig Jahre doch keine Sorgen machen – könnte man meinen. Nochmals falsch gemeint. Eine erfolgreiche Vergangenheit ist noch längst kein Garantieschein für die Zukunft.

Diese Woche die Generalversammlung des Vereins Filmtage: Dass die Jubiläumsveranstaltung auch im Nachgang vorwiegend Freude bereitete, war abzusehen. Stirnrunzeln löst beim Beobachter dagegen die Tatsache aus, dass für die Austragung im kommenden Jahr ein Defizit budgetiert werden musste. Was nicht weiter erstaunt, ist doch von den drei Hauptsponsoren noch ein einziger übrig geblieben. Und es würde nicht überraschen, wenn sich auch der letzte Mohikaner eines tristen Tages ebenfalls auf eine neue Werbestrategie berufen würde. Das haben Geldgeber von Zeit zu Zeit nun einmal so an sich.

Von den Reserven zu leben, ist keine Strategie

Noch ist nicht Matthäus am Letzten. Ein Sparbatzen ist vorhanden. Aber von den Reserven zu leben, kann nicht die Basis sein für eine unbeschwerte Zukunft sein. Keine Frage, Unterstützungsgelder aufzutreiben ist Knochenarbeit. Am erfolgreichsten operiert dabei, wer auf «Beziehungsdelikte» bauen kann, wenn es also gelingt, Freunde oder gute Bekannte von einem Engagement zu überzeugen.

Geht es jedoch um den ganz grossen Batzen, reicht die emotionale Schiene allein nicht. Zusätzlich sind dann Fakten massgebend. Dazu zählt etwa, dass der Anteil der 65- bis 74-jährigen Besucher noch einmal stärker gewachsen ist. Mit andern Worten, das Publikum altert gemeinsam mit dem Anlass. Um den Nachwuchs bemühen sich die Organisatoren redlich, doch wer später voll im Berufsleben engagiert ist, hat die Filmtage offensichtlich nicht mehr zwingend zuoberst auf der Liste der Ausgehtermine. Gesellschaftliche Entwicklungen wahrzunehmen, ihnen Rechnung zu tragen, um sie letztlich wenn immer möglich zu nutzen, gehört zu den Kernaufgaben jedes Traditionsanlasses.

Der Glamourfaktor ist ein heiss diskutierter Dauerbrenner

Nach dem Direktionswechsel 2013 wurden wohl sanfte Korrekturen vorgenommen, mittelfristig werden jedoch weitere und augenfälligere Massnahmen unumgänglich sein, um gegenüber vergleichbaren Anlässen nicht hoffnungslos ins Hintertreffen zu geraten. Ein Dauerbrenner dabei ist der Glamourfaktor: Wie viel ist nötig? Ab wann verliert Solothurn seine Seele? Ein Handbuch zum Nachschlagen existiert nicht. Wir haben es mit einem sich ständig verändernden Prozess zu tun. Sagen wir es einmal so: Es wäre durchaus vertretbar, wenn sich das Mauerblümchen etwas kecker zurechtmachen würde.

An der mangelnden nationalen Präsenz kann es nicht liegen

Es geht beileibe nicht darum, die beliebten Kult(ur)tage auf Franken und Rappen reduzieren zu wollen. Ebenso wenig, die Daseinsberechtigung einer Werkschau des vielfältigen Schweizer Filmschaffens anzuzweifeln. Wer allerdings bei einem Budget von rund 3,3 Millionen Franken lediglich eine gute halbe Million selber erwirtschaftet, kommt nicht darum herum, die Fremdfinanzierer bei Laune zu halten. An der mangelnden nationalen Präsenz der Solothurner Filmtage kann es jedenfalls nicht liegen, dass sich Hauptsponsoren ersatzlos verabschieden.

Wie wäre es mit einem Kracher? Bloss ein Gedanke: Fünfzig mal begleiteten Kälte, Regen oder Schneematsch die Filmtage. Genug der Tristesse. Fertig Winterschlaf. Die Menschen lieben Wärme, Sonnenschein und ein laues Lüftchen um die Nase – die Solothurner Filmtage würden als Sommerfestival vor Lebensfreude sprühen und gingen mit einem erfrischenden Lächeln auf die 100 zu.