Kommentar

Wichtige Stimmen

Die Brüder Kouachi sollen im Auftrag von Al-Kaida gehandelt haben

Die Brüder Kouachi sollen im Auftrag von Al-Kaida gehandelt haben

Eine Islamwissenschafterin und ein Polizeikommandant zu radikalisierten Muslimen.

In unserer gestrigen Ausgabe sprachen wir mit der Islamwissenschafterin Amira Hafner-Al Jabaji aus Grenchen und heute mit Thomas Zuber, dem Kommandanten der Solothurner Kantonspolizei. In beiden Interviews kommt die Terrorgefahr zur Sprache, die von radikalisierten Muslimen ausgehen könnte. Auch bei uns. Diese Diskussion soll geführt werden, ohne jedoch in phobische Überreaktionen zu verfallen.

Hafner-Al Jabaji weist auf wunde Punkte hin, spricht über Ausgrenzung und mangelnde Integration. Sie betont auch, was in der Schweiz besser funktioniert, sprich weniger Gewaltbereitschaft erzeugt. Zuber geht primär auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen ein und nennt Instrumente, die ihm im Kampf gegen religiös getriebene Eiferer zur Verfügung stehen. Dass dabei vieles theoretisch bleibt und er keine strategischen Einblicke gewährt, überrascht kaum. Unser Kanton befindet sich nicht im Auge des Taifuns. Zudem wird die Musik auf nationaler Ebene gemacht, wenn das Gefahrenpotenzial globale Ausmasse annimmt.

Fachleute gingen bisher davon aus, dass die Schweiz keine primäre Kampfzone wird. Nicht ausschliessen wollen sie dagegen, dass unser Land als Rückzugsgebiet, als organisatorische Drehscheibe herhalten muss. In der Schweiz leben weniger als 400 000 Muslime. Nach offiziellen Schätzungen gelten bis zu zwei Prozent als mehr oder weniger radikalisiert. Wie diese mit ihrem Zustand umgehen, was sie damit anfangen, das würden wir sehr gerne wissen. Die Überwachung ist jedoch alles andere als einfach, wenn wir unsere eigene Freiheit nicht preisgeben wollen.

Hafner-Al Jabji steht für Aufklärung und Vermittlung, Zuber für Kontrolle und nötigenfalls Repression – in Kombination eine gute Mischung für eine schlechte Entwicklung.

@ theodor.eckert@azmedien.ch

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