Kommentar

Wenn Zürcher über den Weissenstein schreiben

Wie ein Zürcher den Schweizern den Weissenstein näherbringt - ein Kommentar von SZ-Chefredaktor Theodor Eckert.

Womit haben Solothurner zu rechnen, wenn ein Zürcher in einem Limmatstädter Medium über den Weissenstein schreibt? Mit zwei Dingen: Da die Titel aus der grössten Schweizer Stadt ganz ordentlich zur Kenntnis genommen werden, geniesst unser Hausberg zusätzliche Aufmerksamkeit. Über diese Popularität kann man erfreut sein oder nicht, je nachdem, wie man es betrachtet.

Beim zweiten Ding dagegen hält sich die Freude schon eher in Grenzen. Ganz einfach deshalb, weil möglicherweise, eventuell, bis wahrscheinlich ein Hafenkäse zu Papier gebracht wird. Sagen wir mal aus Unwissenheit. Wäre es Absicht, müsste man Wissen voraussetzen und dann wäre das definitiv ganz schön fies.

Urteilen Sie selber: Eine toll aufgemachte ganze Zeitungsseite mit einem grosszügigen, viel Idylle vermittelnden Bild. Dieses versehen mit der Legende «Ruhe vor dem Sturm». Im Text erfahren wir dann – welche Dramaturgie – dass es mit der Beschaulichkeit auf dem Weissenstein in Kürze vorbei sein werde. Er schon bald zu einem Rummelplatz verkomme. Eine neue Zeitrechnung anstehe.

Alles wegen einer bösen, bösen, modernen Seilbahn. Damit würden künftig 900 Touristen pro Stunde auf den Berg stürmen. Schmunzel, schmunzel.

Wie war es doch schon wieder am vergangenen Wochenende? Wie meist in den seilbahnlosen Jahren, wenn unten grau und oben blau: Hunderte Autos haben sich auf den Weissenstein gezwängt. Der letzte freie Quadratmeter auf dem Berg ein Parkplatz, die Aussichtsterrasse zum Bersten voll, Gegenverkehr auf sämtlichen Wanderwegen, Grillplätze Mangelware.

Kann passieren, lieber Zürcher.

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