Kommentar

Wenn Swiss Made, dann richtig

Häufig sind teurere Uhren in der Schweiz nur bedingt Swiss Made. (Symbolbild)

Häufig sind teurere Uhren in der Schweiz nur bedingt Swiss Made. (Symbolbild)

Wenn ich über den Solothurner Wochenmarkt flaniere, peile ich «meinen» Marktstand an.

Wenn ich über den Solothurner Wochenmarkt flaniere, peile ich «meinen» Marktstand an. Im Wissen, dass der Bauer seine Produkte unter dem Label «Bio» produziert und verkauft. Ich kaufe bewusst einen Salat mit der Bio-Knospe – und bin bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen als für Ware aus dem Treibhaus. Genauso verhält es sich mit anderen Produkten, beispielsweise wenn der Konsument eine Uhr mit dem Label «Swiss Made» kaufen will.

Voraussetzung in beiden Fällen ist, dass die mit dem Label verbundenen Versprechen auch verlässlich erfüllt werden: Was draufsteht, muss auch drin sein. Deshalb braucht es strengere Regeln, ab wann ein Produkt als Swissness verkauft werden darf. Am Beispiel der Uhr ist das heute nicht gewährleistet. Der Schweizer Anteil muss nur 50 Prozent des Uhrwerks ausmachen, alles andere kann der Produzent im Ausland beschaffen. Das führt zu einer gefährlichen Verwässerung des Begriffs Swissness.

Gefährlich deshalb, weil gerade in der Uhrenindustrie das Label Swiss Made mehr als eine Herkunftsbezeichnung ist. Es verspricht einen Mehrwert, verpackt in Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit. Nur deshalb ist der Konsument bereit, dafür mehr zu bezahlen. Strengere Regeln ermöglichen den Produzenten, sich stärker von der ausländischen Konkurrenz abzuheben.

Mit den logischerweise höheren Verkaufspreisen ist das Risiko Absatzverlust und ergo Arbeitsplatzabbau nicht auszuschliessen. Ohne glaubwürdiges «Swiss Made» hingegen sind mittelfristig mehr industrielle Arbeitsplätze gefährdet. Spätestens dann, wenn der Konsument merkt, dass die heute schon teurere Uhr nur bedingt Swiss Made ist und ein günstigeres ausländisches Modell kauft.

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