Und zu den Urschweizer Solothurner Literaturtagen, in deren Rahmen der Preis verliehen wird?

Es passt. Zumindest historisch. Immerhin haben schon Monika Maron, Jenny Erpenbeck oder Juli Zeh die Auszeichnung erhalten. Dagegen nimmt sich Thomas Hettche geradezu als Fast-Schweizer aus , wenn er für die «NZZ» schreibt und zeitweise hier lebt.

Der Solothurner Literaturpreis ist ein Preis, der über die Landesgrenzen hinausschauen will, wie der Satz im Jurybericht betont, wonach die Auszeichnung «für hervorragende literarische Leistungen an das Gesamtwerk eines deutschsprachigen Autors oder einer deutschsprachigen Autorin» vergeben wird.

Was aber ist das Profil dieses Preises? Hier ein Vergleich mit dem Schweizer Buchpreis: Der sucht sich seine Gewinner aus einem eng begrenzten Pool aus – nämlich einem literarischen Jahrgang in der Deutschschweiz. Innerhalb dieses Rahmens aber ist die Jury frei. In Solothurn scheint das Gegenteil zu gelten: Aus einem geografisch wie zeitlich unbegrenzten Raum wählt die Jury ein ganzes Œuvre, das «herausragend» sein muss.

Ist Solothurn das literarischere Gegenstück zum Schweizer Buchpreis? Sogar das Preisgeld tönt mit 15 000 Franken eher nach Künstlerruhm als nach Marktwirtschaft. Tatsächlich: Die hier ausgezeichneten Autoren Thomas Hürlimann, Jenny Erpenbeck oder eben Thomas Hettche schreiben meisterhaft. Doch kann es auch ein so kluger wie witziger Franz Hohler (Preisträger auch er) literarisch wirklich mit einem Günter Grass aufnehmen?

Vielleicht wird beim Solothurner Literaturpreis statt des literarischsten Autors der relevanteste ausgezeichnet. Und die eigentliche Erkenntnis aus dem Nachdenken über die Gewinner ist, dass die Gesetze Newtons auch in der Literatur gelten: Jedem, der in die Welt hinausblickt, erscheinen die grösser, welche näher bei ihm stehen. Und was sonst ist die Literatur als ein Fernrohr in andere Welten?