Wer kennt jemanden, der den Wahlzettel mit dem Rechenschieber ausfüllt? Wenn wir am 18. Oktober entscheiden, wer uns in Bern vertreten soll, dann wählen wir die Parteien und Köpfe, von denen wir uns am besten vertreten fühlen, Punkt.

Wir wählen nicht Kandidat X von Partei Y, weil dann vielleicht auch Partei Z profitieren könnte, die einem ja auch noch irgendwie sympathisch ist. Dafür haben wir die Möglichkeit, auf unserem Wahlzettel zu panaschieren und Kandidaten zu kumulieren. Listenverbindungen interessieren uns als Wähler dagegen nicht wirklich. Und wenn doch, dann interpretieren wir sie ganz klar als Ausdruck inhaltlicher Nähe und nicht als rein «wahlarithmetisches» Vehikel, als das (und ja nicht etwa etwas anderes) sie uns von den Strategen in den Parteizentralen gern verkauft werden.

Die Annäherungs- und Abgrenzungsrituale, die derzeit von FDP und SVP wieder zelebriert werden, führen es deutlich vor Augen: Entweder gibt es einen gemeinsamen Nenner oder eben nicht. Wenn nicht, erübrigt sich auch die Diskussion um eine möglichst optimale Ausschöpfung eines gemeinsamen Wählerpotenzials. Andernfalls fühle ich als Wähler mich verschaukelt. Mit meinem Potenzial haben die Parteistrategen gefälligst keine Schindluderei zu treiben. Ob ein Teil meiner Stimmkraft ohne Listenverbindung wirkungslos verpufft – dies ein weiteres Argument der Polit-Technokraten – sollen sie mal meine Sorge sein lassen. Wir sollten uns mal ernsthaft Gedanken über eine Änderung der Spielregeln und ein Verbot von Listenverbindungen machen.