Es ist ein Problem, mit dem vor allem kleinere Parteien zu kämpfen haben: Einige wenige entscheiden an Mitglieder- oder Delegiertenversammlungen, wie die Kantonalpartei zu einer Abstimmungsvorlage steht. Dieser Entscheid mag tatsächlich die Meinung der meisten Parteimitglieder reflektieren – immerhin ist Parteizugehörigkeit ein Indikator für ähnliche Anschauungen. Jedoch kein Garant. Solch ein Entscheid von wenigen für viele kann denn auch, gerade bei umstrittenen Themen, in der Öffentlichkeit im schlimmsten Fall ein falsches Bild der Partei und ihrer politischen Stossrichtung vermitteln.

Um Parolen zu fassen, die möglichst repräsentativ die Haltung der Partei wiedergeben, setzt die GLP Kanton Solothurn auf Online-Umfragen. Die Frage darf gestellt werden, ob sie nun mit gutem oder schlechtem Beispiel vorangeht. Die Kritik, dass man sich nicht an einer Parolenfassung beteiligen sollte, wenn man nicht vorher auch der dazugehörigen Diskussion zumindest beigewohnt hat, ist legitim.

Die GLP argumentiert, dass dank E-Voting drei- bis viermal mehr Parteimitglieder auf die Parolen Einfluss nehmen, als es an einer Mitgliederversammlung der Fall wäre. Über diese gesteigerte Partizipation darf man sich durchaus freuen. Andererseits sollte jenes Verhältnis auch stutzig machen. Denn es bedeutet ebenfalls, dass bei einem richtungsweisenden Entscheid nur gerade ein Viertel der Entscheidungsträger die Mühe auf sich nahm, an der entsprechenden Diskussion zur Meinungsbildung teilzunehmen.