Die Lage ist vertrackt. Eigentlich ist die Solothurner Wirtschaft gut unterwegs, die Auftragsbücher sind mehrheitlich gut gefüllt und die Belegschaften haben alle Hände voll zu tun. Mit der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze hat sich die Ausgangslage komplett verändert. Über Nacht haben sich die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen im zweistelligen Prozentbereich verteuert.

Die Kosten müssen runter. Davon sind auch die vielen Zulieferer der Exportindustrie betroffen. Diese gibt nämlich den Preisdruck weiter. Logisch, dass harte Entscheide wie Arbeitszeitverlängerungen, Lohnkürzungen oder gar Stellenabbau anstehen. Eine Rezession ist aber nicht wahrscheinlich. Erste Konjunkturexperten haben ihre im Januar massiv nach unten korrigierten Prognosen wieder leicht angehoben. Der Franken hat sich gegenüber dem Dollar deutlich abgeschwächt. Und die boomenden USA sind der zweitwichtigste Exportmarkt der Schweiz. Gegenüber dem Euro liegt der Kurs näher bei 1.10 Franken als bei der Parität. Und die Wirtschaft im wichtigsten Markt Deutschland wächst wieder. Die Chancen, dass die Wirtschaft die Hürde «Franken» schafft, sind also intakt.

Wer bereits von Massnahmen betroffen ist, kann mit diesen Zeilen verständlicherweise nicht viel anfangen. Und trotzdem ist es wichtig, dass die Relationen gewahrt bleiben, die Einzelfälle verzerren das Bild. Die Zahl der Menschen ohne Arbeit ist sechs Wochen nach dem Frankenschock schweizweit um 1000 Personen gesunken. Verunsicherung ja, aber Panik ist nicht am Platz. Von einer «gefühlten Rezession» spricht der Wirtschaftsverband Economiesuisse. Die negative Stimmung darf nicht zum Selbstläufer werden.