Ein Umbau ist so eine Sache. Vieles muss bedacht werden, und kein Bauherr hat Interesse, für alles Mögliche Geld auszugeben, sodass sich die Bausumme massiv erhöht.

Unter diesem Aspekt wurde seit je geknausert, wenn es bei öffentlichen Bauten um die Bedürfnisse von Randgruppen ging, die öffentliche Gebäude besuchen möchten, ja sollten – aber es aufgrund eines körperlichen Handicaps alleine nicht können.

Nun hat das Gesetz zwar eine klare Position für diese Menschen eingenommen, doch in der Praxis scheint dies noch nicht überall bekannt zu sein.

Erst die Organisation Procap, die sich für hindernisfreie Zugänge einsetzt, hat bewirkt, dass bei der Restaurierung der Solothurner Jesuitenkirche überhaupt ein solcher Eingangsbereich geschaffen wurde.

Vergessen – oder vielleicht gar verdrängt? – habe man die Konsequenz dieses grösseren Sanierungsvorhabens, die da ist: Auch Menschen im Rollstuhl sollten die Kirche ohne fremde Hilfe besuchen können.

Natürlich ist die Kostenfolge solcher Massnahmen hoch, und die Ästhetik der Bauten leidet darunter. Davon zeugt die hässliche, eher billige Aluminiumrampe vor St. Ursen, aber auch die jetzige, aufwendigere Stein-Variante zu Jesuiten.

Die mit der Beschränkung auf nur eine Rampe links asymmetrisch zum sonst ausgewogenen, barocken Gesamtbild der Fassade erscheint.

Doch das sind Punkte, die in den Hintergrund treten müssen, vor dem berechtigten Anspruch jener, die ihr Leben nur als Hindernislauf erfahren.

Seit 340 Jahren gibt es die Jesuitenkirche, seit 240 auch noch die St.-Ursen-Kathedrale. Der erste selbst zu fahrende Rollstuhl wurde 1655 konstruiert, 1869 erstmals patentiert. Noch Fragen?

wolfgang.wagmann@azmedien.ch