Das SVP-Präsidium nennt auf Anfrage, ohne zu Zögern, die Zahl der Parteimitglieder. Der SP-Sekretär tut dies ebenso. Und der Präsident der FDP des Kantons Solothurn? Er schweigt.

Seit einem Jahr und zwei Wochen ist die FDP eine «richtige» Partei, mit «richtigen» Mitgliedern – nicht bloss eine Sympathisanten-Partei, wie sie es seit dem Balsthaler Volkstag von 1830 war.

Wie viele der bisherigen Sympathisanten nun tatsächlich «richtige Freisinnige» geworden sind, will Christian Scheuermeyer aber partout nicht verraten.

Dieses Verhalten lässt Spielraum für Spekulationen: Zum Beispiel die, dass die effektive Mitgliederzahl bisher derart gering ist, dass man sich geniert, sie öffentlich zu nennen.

Für diese – für die Parteilenker alles andere als rühmliche – Erklärung spricht, dass man gleichzeitig zugeben muss, dass die Mitgliederpartei derzeit weniger einnimmt als zuvor die Sympathisanten-Partei.

Alles in allem ein mehr als nur mageres Zwischenergebnis für den «Aufbruch zu neuen Ufern», den die Verantwortlichen versprochen haben.

Dass die Solothurner FDP bei den letzten Nationalratswahlen erstmals seit vielen Jahren wieder zulegen konnte, ist nicht wegen, sondern trotz der Neuorganisation der Kantonalpartei «passiert».

Das FDP-Schiff profitierte schlicht vom Schub der flüchtlings- und währungspolitischen Grosswetterlage. Die Nagelproben werden aber erst noch kommen. Spätestens bei den Kantons- und Regierungsratswahlen im Frühjahr 2017 wird sich zeigen, ob die neuen Strukturen dazu taugen, die Partei tatsächlich vorwärtszubringen.

Oder ob sie bloss dazu dienen sollten, die (zu) liberale Spreu vom «richtig-freisinnigen» Weizen zu trennen und so die verbleibende Basis auf strammem Parteikurs zu wissen.

Wenn dieser Kurs aber tatsächlich zum «bürgerlichen Schulterschluss» mit der SVP führen sollte – den die beiden Parteipräsidenten anstreben – dann könnte der Schuss am Ende nach hinten losgehen. Die SVP wird sich freuen.