Ölpreis und Rubel auf Talfahrt, USA und Kuba nähern sich an, Oberdorf und Weissenstein mit Gondelbahn verbunden – das macht diese Woche Schlagzeilen. Ein gewagter Spagat? Nicht für die Region. Relevant ist, was bewegt. Und genau das schafft eben heute ein kleines Seilbähnli an einem winzigen Fleck Erde auf dieser grossen Welt.

Den 20. Dezember 2014 haben sich Solothurner, deren Nachbarn und viele weitere Ausflügler fett in der Agenda angekreuzt: Auf den Weissenstein führt endlich wieder eine Bahn. Es sesselt zwar nicht mehr bei Wind und Wetter, dafür gondelt es schier geräuschlos in einer geräumigen Kabine. Ein aussergewöhnliches Kapitel Seilbahn-Geschichte wird mit der heutigen Eröffnung abgeschlossen: Es war langwierig, emotional aufgeladen, und phasenweise war nicht abzusehen, ob am Ende die Natur die Sesselischneise Schritt für Schritt zurückerobern würde. Doch die Bahnbetreiber kämpften für ihr Projekt. Die Investoren blieben bei der Stange, Politiker wurden aktiv, Zehntausende Sympathisanten bezeugten mittels Unterschrift ihre Unterstützung. Die Gegnerschaft bröckelte und die Richter gaben letztlich grünes Licht. Im November vor fünf Jahren ratterte letztmals ein Bähnli bergwärts – das Ausharren im Wartsaal ist zu Ende.

Die neue Bahn ist keine Selbstverständlichkeit

Wenn dem zähen Ringen um die neue Bahn etwas Gutes abgewonnen werden kann, dann ist es der Umstand, dass weite Kreise in der Bevölkerung erkannt haben: Die Existenz dieser Gondelbahn ist keine Selbstverständlichkeit. Hätten nicht ein paar wenige Exponenten «sturo» am Projekt festgehalten, wäre künftig Postautofahren angesagt. Das muss anerkannt werden. Trotzdem sollte es möglich sein, reflektierende Fragen zu stellen, ohne damit gleich auf Argwohn zu stossen.

So toll der heutige Tag für die meisten sein dürfte, das letzte Kapitel zum Solothurner Hausberg ist damit nicht geschrieben. Das beliebte Naherholungsgebiet wird weiteren Stoff für Geschichten liefern: Zum touristischen Angebot, zum Kurhaus, zur Bahn oder gleich allen zusammen. Nicht uninteressant in diesem Zusammenhang: Obwohl Balmberg und Grenchenberg als ergänzende Mosaikteile eines Gesamtkonzeptes gesehen werden, stehen diese beiden Ausflugspunkte weit weniger im Fokus der Diskussionen. Der Weissenstein hat eine Sonderstellung. Er ist nun einmal kein gewöhnlicher Fixpunkt über dem Mittelland. Alle reklamieren ihn für ihre Bedürfnisse. Und diese klaffen teilweise arg auseinander. Schnell einmal kommen sich da Natur pur und Kommerz ins Gehege.

So lustig geht es auf den Tiroler Hügeln zu

Wer vergleichbare Destinationen in Österreich besucht, staunt Bauklötze, was dort alles möglich ist. Zuhauf rutschen Herr und Frau Schweizer samt Kind und Kegel mitten im Sommer über künstliche Schneeflächen, hüpfen, springen, fliegen auf allerlei spektakulären Geräten herum und schlagen sich im Fresstempel mit Speisen aus der ganzen Welt genüsslich den Bauch voll. In die Höhe haben sich die Gäste zuvor auch mit einer Gondelbahn transportieren lassen.

Keine Angst, das war kein Votum für ein Disneyland auf dem Solothurner Höhenzug von nationaler Bedeutung, der möglichst in naturnaher Weise genutzt werden soll. Dennoch ein leises Aber: Wir werden eher früher als später nicht darum herumkommen, attraktivere Angebote als die bisherigen zumindest in Erwägung zu ziehen. Ein Beispiel, das man als Nichtaktionär der Seilbahn machen kann: Die Schweizer, die alle ins Tirol strömen, wandern mehrheitlich nicht bergab (was am Weissenstein Richtung Oberdorf bekanntlich eine Tortur ist). Sie gleiten vielmehr auf einer Rodelbahn zu Tal. Eine bodennahe Schiene, die völlig diskret in die Landschaft verlegt ist – nichts sehen, nichts hören. So etwas könnte ein Grund sein, mehr als bloss einmal im Jahr die Seilbahn zu benutzen, und der «heilige Berg» wird deshalb nicht entweiht. Vielleicht etwas gar starker Tobak am Tag der Seilbahneröffnung.

Was jedoch mit Sicherheit kein Erfolgsrezept sein kann, sind die Sololäufe der verschiedenen Akteure am und auf dem Berg. Jedes noch so bescheidene Tourismuskonzept ist zum Scheitern verurteilt, wenn Animositäten eine gemeinsame Strategie aushebeln. Ein erfolgsverwöhnter Tourismusmanager hat es unlängst in einem Gespräch auf den Punkt gebracht: «Ihr in Solothurn braucht dringend einen Mister Berg, einen Leuchtturm. Eine Persönlichkeit, der es gelingt, alle Strömungen unter einen Hut zu bringen.» Erfahren müsse der sein und zielstrebig, jovial, verkaufsorientiert, vernetzt, diplomatisch und ..., die Aufzählung wollte nicht mehr enden. Guter Gedanke. Wer weiss, vielleicht kreuzt dieses wundersame Zugpferd heute an der Eröffnung ja auf.