Was auf nationaler Ebene stets kläglich scheitert, soll im Kanton Solothurn glücken: Der bürgerliche Schulterschluss – zumindest zwischen SVP und FDP. Die Parteipräsidenten Silvio Jeker und Christian Scheuermeyer sind wild entschlossen, zwar weiterhin getrennt zu marschieren, aber gemeinsam zu schlagen.

Die internen Skeptiker gegen ein engeres Zusammenrücken würden ganz von alleine aussterben, bauen die zwei Präsidenten auf den «Generationenwechseln» in den Führungsgremien und an ihrer Basis.

Den schlagenden Beweis für die Notwendigkeit dieses Schrittes sehen die Präsidenten in den jüngsten Ständeratswahlen: Das Resultat hätte anders gelautet, wenn die Bürgerlichen nicht zerstritten gewesen wären.

Diese Darstellung entspricht allerdings weniger als der halben Wahrheit: Dass im bürgerlichen Kanton der linke Roberto Zanetti schliesslich fast zwei Drittel der Stimmen holen konnte, spricht nämlich nicht gegen diesen – sondern gegen die Personalpolitik von SVP und FDP.

Ob der bürgerliche Doppeldecker abheben kann und auch zum Fliegen kommt, hängt von inhaltlichen Gemeinsamkeiten und übereinstimmenden strategischen Zielen ab. Wenn die Solothurner FDP dabei nicht vollends zum Juniorpartner werden soll, dann sind «Ehekrisen» vorprogrammiert.

Denn die SVP-Exponenten der neuen Generationen mögen sich in Ton und Auftritt zwar gesittet-staatsmännisch geben. In der Sache aber sind sie knallhart wie ihre Vorgänger: Sie politisieren eisern auf der Linie ihrer Mutterpartei und sie verfolgen von Amts wegen nur das Ziel, ihre Partei voranzubringen.

Noch so gerne mit der FDP – wenn nötig aber auch auf deren Kosten.

urs.mathys@azmedien.ch