Unmittelbar nach Bekanntwerden der Verdikte interessieren nicht die Graubereiche, da geht es um Schwarz oder Weiss. Da und dort begleitet auch schon mal von Schadenfreude.

So bestimmt beim SVP-Komitee, das Roland Borer ins Pfefferland gewünscht hat. Wo er nun tatsächlich gelandet ist, zumindest im politischen Niemandsland. Mit seiner Abwahl, trotz 24 Jahren Bundesbern, musste nicht gerechnet werden, zumal sich seine Partei auf einem veritablen Höhenflug befindet. Dass ihn gleich zwei Junge auf Platz vier deponieren konnten, zeigt aber auch, wie falsch die Parteistrategen ihre Wählerbasis im Vorfeld eingeschätzt haben. Für weit weniger Aufsehen sorgt dagegen der Misserfolg des unauffälligen CVP-Mannes Urs Schläfli. Er, der zwar fleissig das Ratsgeschehen besucht hat, aber dennoch nie richtig auf der nationalen Politbühne angekommen ist. Sein Name ist folgerichtig viel zu selten auf den Wahlzetteln aufgetaucht. Nicht zuletzt auch zum Leidwesen der Partei, die künftig wieder entsprechend ihrer Wählerstärke in Bern vertreten ist. Kommt hinzu, dass sich das «Päcklimachen» mit andern Parteien nicht ausbezahlt hat, da sich diese gegenwärtig zu sehr auf Schmalspur bewegen. Eine gute Gelegenheit, das Thema Sinn und Unsinn von Listenverbindungen allgemein vertieft anzugehen.

In die bescheidene Solothurner Deputation ist somit wider Erwarten doch etwas Bewegung gekommen. Die solid gewählten Kurt Fluri, Walter Wobmann, Bea Heim und Stefan Müller-Altermatt, sowie der hauchdünn akzeptierte Philipp Hadorn, werden künftig den 33-jährigen Christian Imark in ihren Kreis aufnehmen.

Bei der SVP und der SP sollten gestern Abend die Nationalrats-Korken geknallt haben. Sie konnten ihre beiden Nationalratssitze erfolgreich verteidigen. Die Rechten gar mit einem deutlichen Zuwachs des Wähleranteils. Bei den Linken dürfte die knappe Nichtwahl ihrer Parteipräsidentin sowie die Legislaturplanung ihrer Senior-Nationalrätin subkutan mitgeschwungen haben.

Nicht als Freudentag in die Geschichte eingehen wird der 18. Oktober 2015 bei CVP und FDP. Die einen mussten Federn lassen, die andern konnten keine dazugewinnen. Wunden lecken bei den Freisinnigen zudem nach einem unbefriedigenden Resultat bei der Wahl ins Stöckli. «Marianne macht’s», lautete der Slogan von Ständeratskandidatin Marianne Meister. Was auch immer damit gemeint war. Nun wissen wir, was sie effektiv gemacht hat: Viel Engagement gezeigt, einen teuren Wahlkampf geführt und den vierten Platz bei der Ständeratswahl sowie das drittbeste FDP-Resultat bei den Nationalratswahlen erreicht. Sieger sehen anders aus. Zum Beispiel wie Pirmin Bischof. Der absolvierte die Prüfung flott und hat seinen Sitz in der kleinen Kammer auf sicher. In die Zusatzrunde verwiesen wurde Roberto Zanetti, der das absolute Mehr den ganzen Sonntagnachmittag vor Augen hatte und ihm permanent hinterherhechelte. Walter Wobmann erzielte bei dieser Wahl zwar ein Achtungsresultat, was ihn unter dem Strich jedoch nicht ständeratsaffiner erscheinen lässt.

Fazit: Im Nationalrat hat eine Teilverjüngung stattgefunden, ein Defensivpolitiker ist ausgeschieden – doch gewichtiger ist die Delegation damit noch nicht geworden. Im Ständerat ist ein sicherer Wert bestätigt, für den andern muss der ernsthafte Gegenkandidat erst gefunden werden.

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