Eigentlich ist es eine gute Nachricht, wenn die Wähler des krisengeschüttelten Kroatien sich von ihrer Misere an die Urnen treiben lassen. Wenigstens widerlegen sie damit die Unkenrufe, die Demokratie sei überall in Osteuropa in Verruf geraten.

Die schlechte Nachricht ist, dass die Misere sich kaum wird abwählen lassen. Das Staatsoberhaupt hat in Wirtschaftsdingen keine Kompetenz, und selbst wenn es sie hätte, so fehlte auch ihm der Kompass. Amtsinhaber Ivo Josipović hatte gehofft, sich mit vorsichtigem Lavieren zwischen dem linken, säkularen und dem rechten, nationalen Lager über Wasser halten zu können. Er verkannte, dass die Kroaten mit beiden Lagern nicht glücklich sind. Sie suchen nach Orientierung, und die hatte der Staatschef nicht zu bieten.

Mehr haben auch die anderen Kandidaten nicht auf der Pfanne. Die Diplomatin Kolinda Grabar Kitarović, die es noch schaffen kann, hält sich eher noch weiter zurück als Josipović, wenn es um klare Aussagen geht. Ihr einziger Vorteil war ihre Parteianbindung.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird das Land im nächsten Jahr wieder eine konservative Regierung bekommen.

Dass es auch schlimmer kommen kann, belegt das Abschneiden des drittgereihten Ivan Sinčić, der seine Kampagne mit finsteren Verschwörungstheorien bestritt. Wenn ein misslauniger Student von lediglich 24 Jahren satte 17 Prozent der Stimmen bekommt, muss die Verzweiflung schon gross sein.