Mit einem hauchdünnen Mehr von 45 Stimmen hat der Souverän die Betriebsbeiträge an die AG und Subventionen für die Eissportvereine in Höhe von zusammen 700 000 Franken gut geheissen. Ein Nein hätte – wohl zumindest vorübergehend – ein Ende der Eiszeit im Kleinholz bedeutet, ohne dass jemandem deswegen wärmer ums Herz geworden wäre. Zumal dort sanierte neuzeitliche Anlagen auf ihre Nutzer warten.

Also: ohne Betriebsbeiträge kein Eis. Ohne Eis kein Eishockey, kein Eiskunstlauf, keine Nachwuchsförderung in diesen Sparten. Die Aktiengesellschaft nämlich hängt auch am Finanztropf der Stadt. Niemand sonst kann für die Oltner Eissportvereine so günstiges Kunsteis herstellen wie die Stadt. Sie zahlt Produktion und Nutzung – mehr oder weniger – gleich selber. Eine Tatsache, die in üppigen Zeiten vom Souverän mit einem Handwisch zur Kenntnis genommen und kopfnickend akzeptiert wird. In Zeiten knapper Gelder aber stellt auch der Stimmbürger seine persönliche Kosten-Nutzen-Analyse voran.

Und die heisst: Wer kriegt aus dem vermeintlich leeren Stadtsäckel wieviel? Der Stadtrat hat in den letzten Monaten auf die Ausgabenbremse gedrückt und dabei Institutionen – wenigstens vorerst mal – über die Klinge springen lassen, sprich finanziell ausradiert beziehungsweise stark beschnitten. Insbesondere im Kultur- und Gesellschaftsbereich. Das schafft bei Betroffenen und deren Umfeld wenig Sympathien für andere Nutzniesser städtischen Mannas. Denn auch Kulturbetriebler, angeblich dem Schönen, Guten und Edlen verpflichtet, sind nur Menschen, verstehen zu rechnen und an der Urne – abzurechnen.

OT-Sportredaktor Walter Ernst pflegte seine Heimatstadt üblicherweise mit dem Prädikat «Sportstadt» zu versehen. Und er meinte damit wohl sie alle: Fussballer, Ringer, Turner, Leichtathleten, Eishockeyspieler, Hand- und Faustballer, Landhockeyaner, Eiskunstläufer, und, und, und. Frauen übrigens mit eingerechnet. Das Abstimmungsergebnis von gestern Sonntag, dem durchaus eine gewisse Zufälligkeit anhaftet, hat eines gezeigt: Olten ist nicht nur Sportstadt, sondern auch Kultur-, Eisenbahner-, Garten- und neuerdings auch Bildungsstadt. Das Abstimmungsergebnis von gestern Sonntag hat ferner gezeigt, dass das eine Prädikat ohne alle andern wohl nur ganz schwer möglich ist. Aber aufgepasst: Olten hat sich bislang dank üppig sprudelnder Geldquellen einen in jeder Hinsicht vollfetten Pluralismus leisten können, der wohl in der Landstädtchenszene schweizweit seinesgleichen sucht. Wer viele Etiketten pflegt, der braucht Geld. Will heissen: Olten wird so lange Sportstadt sein können, wie die Bevölkerung Hand bietet dafür und Futterneid zurücksteht. Dafür brauchts auch Fingerspitzengefühl im Stadtrat.