Das waren noch Zeiten, im letzten Sommer. Da haben wir uns unter offenem Himmel in die Liegestühle gefläzt, in die Sterne geguckt und zwischendurch auf die Grossleinwand. Wo gerade ein WM-Mätschli lief. In der Hafebar beim Bier gefachsimpelt, in der Beach-Arena zusammen gejubelt. So war es Sitte und Brauch alle zwei oder zumindest vier Jahre mit dem Fussball-Sommer in Solothurn. Ganz krass: 2014 versetzten uns gleich drei grosse Public-Viewing-Arenen in WM-Laune und sorgten für ein rotweisses Wir-Gefühl am Abend.

Tschau Sepp! 2022 ist der Fussballsommer kein Thema. Fifa-Boss Blatter und Funktionäre aller Art «chären» nur noch, wann genau im Winter die Fussball-WM stattfindet. An uns Fans denkt kein Schwein. Nichts mit Sommerfeeling, ganz im Gegenteil: Neben dem Adventskranz sollen wir in der guten Stube in die Röhre gucken. Mailänderli und Glühwein statt Chips und Bier. In der Pause rasch Schneeschaufeln. Panini-Bildli zu Weihnachten sind als Geschenk zu spät dran. Vielleicht gibts aber Adventskalender mit einem Fussballstar hinter jedem Türchen. Und Nummer 24 zieren der Sepp und das goldene Kalb in der Krippe.

Doch innovative Geister werden den Adventsfussball geschickt vermarkten. Harri Kunz empfängt uns in der Reithalle zu «So-Cool» mit Ice-Soccer und Biellmann-Pirouetten als Pausenfüller. Gleich nach der Weihnachtsreise ist am Märetplatz der WM-Final auf Grossleinwand zu sehen. Die Achtelfinals am Chlausemäret waren zwar ein Flop. Die Schweiz ist out – trotz Massen rot-weisser Fans mit Bart auf dem Friedhofplatz. Danach haben sich die Reihen ohnehin gelichtet: Denn Katar unter offenem Winterhimmel beschert vielen nur – den Katarrh.