Whistleblower melden sich nicht an. Mit Vorteil sind Wirtschaft und Politik jedoch darauf vorbereitet, wenn Mitarbeitende Hinweise auf Korruption, Veruntreuung oder andere Missstände am Arbeitsplatz anbringen wollen. Oder sich – als letzte Möglichkeit – mit all den privaten Folgen schliesslich an die Medien wenden, weil ihre Beobachtungen intern nicht ernst genommen werden.

Nach Wikileaks und Edward Snowden weltweit oder Christoph Meili und den zwei Mitarbeiterinnen des Zürcher Sozialamts in der Schweiz ist das Thema seit

Jahren in aller Munde. Könnte man meinen. Dass man in der Solothurner Verwaltung davon in den letzten Jahren nichts gehört haben will, erstaunt jedoch. Umso mehr nach den Diskussionen der letzten Wochen um die Vergabepraxis im kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Es waren Hinweise aus der Verwaltung oder von leer ausgegangenen Sozialfirmen, die diese Zeitung auf die auffälligen Verstrickungen zwischen Kaderleuten des AWA und einer Sozialfirma aufmerksam machten.

Nein, allein eine Meldestelle für Whistleblower – wie sie zum Beispiel der Kanton Bern seit 100 Tagen kennt – schafft Korruption und Vetternwirtschaft noch nicht aus der Welt. Aber sie ermöglicht es überhaupt erst, auf fragwürdige Beobachtungen hinzuweisen, wenn Vorgesetzte kollektiv wegschauen. Sonst bleiben – auch wenn dies der Bund leider schon bald einschränken will – als letzte Instanz

weiterhin nur die Medien als vierte Gewalt und damit die Öffentlichkeit.