Solothurner Regierungssitzungen sind öffentlich. Wer sich für ein Traktandum interessiert, kann den Beratungen als Zuhörer lauschen. Dass die Regierung gestern Dienstag in Sachen Pistenverlängerung des Flughafens Grenchen beschliessen würde, war allerdings nicht traktandiert gewesen. Das Nachtragstraktandum sei halt erst später hinzugekommen, hiess es auf Nachfrage nonchalant.

Nicht nur der Quasi-Ausschluss der Öffentlichkeit lässt auf Meinungsdifferenzen in der – notabene bürgerlich dominierten – Regierung schliessen. Immerhin hatte sich Baudirektor Roland Fürst erst vor zwei Wochen noch gänzlich unbeeindruckt gezeigt: Als der Kantonsrat deutlich einem Volksauftrag zustimmte, der den «ungeschmälerten Schutz» der Landwirtschafts- und Schutzzone Witi fordert, sah der CVP-Mann darin kein Problem für das Projekt. Fürst war es ja auch gewesen, der 2014 – erst neu im Amt – die nun abgestürzte Ostverlängerung reaktiviert hatte.

Dieser Schwenker erschien vom Start weg als schlecht koordinierter Blindflug mehrerer Piloten: Plötzlich sollte ein massiver Eingriff in die Witi – für die A5 mit 150 Mio. Fr. Zusatzkosten untertunnelt – zulässig sein. Die Flughafen-Verantwortlichen ihrerseits nahmen die zunächst vereinzelten Opponenten zu wenig ernst und die Stadt Grenchen verwahrte sich schlicht dagegen, zugunsten der Pistenverlängerung allenfalls Land für Kompensationen zur Verfügung zu stellen. Schliesslich, so muss man mit der Regierung nüchtern feststellen, waren aber auch die Aussichten auf einen wirtschaftlichen Zusatznutzen zu vage, das Pistenprojekt abheben zu lassen.