Kommentar

Nur Not, keine Einsicht

Die erste der drei Städte wankt: Die Stadtpolizei Olten soll in die Kantonspolizei Solothurn integriert werden.

Eine Kette sei so stark wie ihr schwächstes Glied, heisst es. Als schwächstes Glied in der Kette der drei Solothurner Städte erweist sich Olten: Unter dem Zwang der bodenlos leeren Stadtkasse will sich der Stadtrat von der eigenen Stadtpolizei verabschieden. Stimmt das Stadtparlament nächsten Monat zu, kann die Integration in die Kantonspolizei bereits in einem Jahr, per Anfang 2016, abgeschlossen sein. Dass es dazu kommt, daran zweifelt kaum mehr jemand. Die Oltner Stadtväter haben die knappen Mittel für Wichtigeres einzusetzen als für die Erhaltung einer aus Spargründen bereits abgespeckten Prestigetruppe mit eingeschränkten «Öffnungszeiten». Mit ihrem Schritt bestätigen sie ganz direkt, was zuvor stets bestritten worden ist: dass die Stadtpolizeien eine Luxuslösung darstellen und dass mit dem Übergang zur Einheitspolizei Geld gespart werden kann – bei nicht weniger Sicherheit.

Und die zwei anderen Glieder in der Kette? In Grenchen wie in Solothurn halten besonders die Stadtpräsidenten das Stadtpolizei-Fähnlein trotzig aufrecht. Zwar wurde auch in Grenchen das eigene Korps schon zur (Spar-)Diskussion gestellt, doch der «Anti-Solothurn-Reflex» wird in der Uhrenstadt weiterhin eine hohe Hürde bilden. In der Hauptstadt wiederum wird spätestens die geplante Heirat mit vier Nachbargemeinden auch in der Polizeifrage zwingend eine Neubeurteilung erfordern. Weder den Grenchnern noch den Solothurnern ist zu wünschen, dass auch sie dereinst der Finanznot gehorchend in die Einheitspolizei einwilligen müssen. Da würde es sich für die spätere Geschichtsschreibung schon viel besser machen, wenn dieser Schritt aus Einsicht, Weitsicht und Vernunft erfolgt.

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