Kommentar

Nur noch einmal

..

Udo Jürgens wollte mit 66 durchstarten. Jetzt ist er 80 und wird fast mehr gefeiert als zu den besten Zeiten. Solothurns älteste Nationalrätin Bea Heim macht es ihm nach: Sie will bei den Wahlen 2015 mit 69 nochmals durchstarten.

Wieder auf die Wahlliste drängt es auch Roland Borer, für den auch nach 24 Jahren Bern noch lange nicht Schluss sein soll.

Sitzen die beiden noch zu gut im Sattel oder kleben sie schon an ihrem Sitz?

Auf den ersten Blick ist gegen die Kandidaturen der Altgedienten gar nichts einzuwenden: Jung sein alleine ist keine Qualifikation; wer sich eingearbeitet hat, dem fällt die Arbeit leichter und die ältere Bevölkerung soll durchaus in Bern abgebildet sein. Und Widerstand gab es aus den Parteien auch nicht. Alles gut also? Nicht ganz. Wer einmal im Parlament sitzt, der hat – unabhängig von der Leistung – den Bisherigen-Bonus. Er erhält überall Plattformen: In den Medien, als Gast an Veranstaltungen etc.

Bei der Walliser CVP oder der Zürcher und Basler SP sind deshalb 12 Jahre genug. Danach ist Schluss oder die Hürden sind höher. Diese Amtszeitbeschränkung ist fair: Sie verhindert Sesselkleberei und sorgt für eine faire Machtverteilung unter den Politgenerationen. Denn auf die Vernunft der Bisherigen ist nicht immer zu vertrauen: Es wird immer ein Projekt geben, das unbedingt noch zu vollenden wäre, oder ein letztes Geschäft, das zu begleiten ist. «Die Friedhöfe dieser Welt sind voll von Leuten, die sich für unersetzlich hielten», schrieb der französische Politiker George Clemenceau. Unentbehrlich, das ist aber ein Wort, das es bei demokratischem Personal nicht geben darf.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1