Ich bin grosszügig, tolerant und liberal. Glaubte ich. Doch am letzten Dienstag hat mir der Solothurner Kantonsrat den Spiegel vorgehalten. Und was sehe ich da …? – Die Sache ist so.

Seit Jahren fallen mir die vielen Autos mit ausländischen Nummernschildern auf. Italiener ab und zu, Franzosen fast nie, diverse Osteuropäer immer öfter und Deutsche jede Menge. Sind das Feriengäste – im Mittelland? Sind es Grenzgänger, Lieferanten? Ja, die aus Waldshut (WT) oder Lörrach (LÖ) vielleicht schon.

Aber was ist mit all den geheimnisvollen NEB (Nebra-Unstrut), GÜ (Güstrow) oder Z (Zwickau), die monatelang an der gleichen Strasse parkieren? Kann es sein, dass die freundlichen Nachbarn aus Sachsen, Brandenburg oder Meck-Pomm nicht unbedingt deshalb zu uns gekommen sind, um ihre sauer verdienten Fränkli für die hiesige Motorfahrzeugsteuer auszugeben?

Ja, Könnte sein!, dachte sich Kantonsrat Martin Flury (BDP, Deitingen). Offensichtlich interessiert sich der Kanton Solothurn nicht besonders für die Autos von Einwanderern. In einem Vorstoss regte Flury deshalb an, dass die Gemeinden ihre Neuzuzüger künftig nach einem VW oder Skoda fragen und dies der MFK melden könnten.

«Unmöglich», gab unsere Regierung entrüstet zur Antwort, «das ist im EDV-System nicht vorgesehen!» Und nun im Kantonsrat: «Auf meiner Gemeinde kann ich keinen Zusatzaufwand brauchen!», polterte ein SVP-Gemeindepräsident aus dem Wasseramt.

Aha, so tönts dann, wenn die SVP die Verwaltung führt. Ein Mehr von 55 Kantonsräten aller Parteien versenkte den Vorstoss, 31 hatten dafür gestimmt. – Wieder einmal hatte ich im Kantonsrat beschämt dazugelernt.

Gleichbehandlung von Inländern und Ausländern? Wie konnte ich so kleinkariert, intolerant und unliberal denken. Gönnen wir doch unseren Gästen die kleine Freude, sich die Motorfahrzeugsteuer zu sparen. @christian.vonarx@azmedien.ch