Es gibt verschiedene schöne Plätzchen und Wege in unserer Stadt und ihrer nächsten Umgebung. Und wir können nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren weiden. Und dabei das eine oder andere Ratespielchen machen. Bedingung ist jedoch meist, dass wir dazu den Morgen nutzen, am besten den Sonntagmorgen. Am schönsten ist es, wenn es schön ist, anregend aber auch bei Regen, nur schwieriger; denn so schön und animierend das Tropfen, Rieseln, Rauschen sein kann - es überdeckt doch einiges.

Aber zurück auf unseren trockenen Lauschposten: Wir spazieren einen der Wege entlang, tönt es von hinten, langsam lauter werdend: schlapp schlapp schlapp. Welche Art Frühturner, Jogger oder wie die harten Typen sich auch immer nennen, kommt daher? Beim Ratespiel kann man bös reinfallen: Die Leichtigkeit des Tones, will sagen des Schlapp Schlapp, tönt vor dem geistigen Ohr wie eine ranke, schlanke Sportskanone. Nichts da – ein offenbar eisenharter, von starkem Willen beseelter Typ ists, der auf dem Weg ist, seine Pfunde zu beseitigen. Das Schlapp ist somit lautmalerisch zu verstehen, will heissen: so wie die Leute akkustisch zu vernehmen, nicht wie sie körperlich zwäg sind.

Schon fast sentimental werden wir auf erhobenem Sitzplatz, uns Turmuhren und Kirchengeläute anhörend: Es bimmelt und läutet, die grösseren Glocken stimmen ein, später sorgen die ganz grossen für den Basiston der Ewigkeit. Oder ist es eher die Vergänglichkeit? Es jedem recht machen kann man halt nicht. Denn die, welche näher beim Geläute sich aufhalten und allenfalls mental noch nicht zum Aufstehen bereit sind, rufen eher aus: «Heiliger Bimbam!» Und bei einigen Solothurner Glocken erinnert man sich, dass die Holländer für läuten gern das Verb bellen verwenden. Im Rheinland hat vor Jahren jemand gar von klerikalem Lärmterror gesprochen.

Geräuschrätsel auch am frühen Werktagmorgen, kurz nach fünf Uhr. Durch die engen Gassen schleicht ein Lieferwagen – bei den Motoren hat man hinsichtlich Geräuschentwicklung Fortschritte gemacht. Nicht so bei den Türen. Unser Lieferwagen hat gefühlte elf davon, dazu aber noch mindestens drei bis vier Schiebetüren. Sie alle müssen betätigt werden. Und wie oben angetönt: In der Morgenstille hört man gut. Seis drum – angeliefert werden muss. Wirklich schon um diese Zeit? Auch haben wir noch die allgegenwärtigen Rollenköfferchen, Reisetrolleys oder so ähnlich genannt. Was die an sich harmlosen Dinger an Phon auf die Pflästerung bringen!? Aber verreisen muss man ab und zu – deswegen werden wir die Altstadt noch lange nicht asphaltieren.