Die Globalisierung und die Öffnung des Arbeitsmarktes haben der Schweizer Wirtschaft Auftrieb gegeben. Die Schweiz ist Exportweltmeisterin, und der entsprechende Ausbau der Wirtschaftstätigkeit wäre ohne einen offenen Arbeitsmarkt gar nicht zu bewältigen. Parallel dazu geht aber ein Verlust der Kontrolle einher. Welche importierten Produkte wo unter welchen Bedingungen produziert werden – das bleibt oft ein Geheimnis. Dasselbe gilt für die Arbeitsbedingungen, wenn ausländische Firmen ihre Arbeitskräfte hier arbeiten lassen.

Der Fall von Lohndumping auf der Baustelle der Post in Härkingen zeigt die Folgen des Kontrollverlustes exemplarisch auf. Über eine WTO-Ausschreibung gewinnt ein niederländisches Unternehmen den Auftrag des Bundesbetriebes. Es vergibt Aufträge an Subunternehmen aus Deutschland und Osteuropa, ohne sich um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu kümmern. Zwar mag der für hiesige Verhältnisse Tiefstlohn für die Monteure im Vergleich zu den Lohnbedingungen in ihren Heimatländern immer noch attraktiv sein. Aber das Verhalten ist unhaltbar – und fatal. Erstens werden Arbeiter um ihre berechtigten Ansprüche geprellt, und zweitens führt es zu einer Marktverzerrung. Firmen, die ehrliche und gesetzeskonforme Löhne bezahlen, werden die Aufträge nie erhalten. Sie sind die Dummen im Umzug. Nicht umsonst heisst es in den Verfügungen, dass die fehlbaren Firmen mit ihren Dumpinglöhnen «Wettbewerbsvorteile» erzielen.

Dass die Post nun einlenkt und die Lohnnachzahlungen leisten will, ist nicht mehr als recht. Auch wenn der drohende Imageschaden wohl ein Haupttreiber ist. Die Lehre aus dem Fall: Es genügt als Auftraggeber nicht, im Vertrag auf die Einhaltung der Gesetzesbestimmungen zu pochen. Sie muss kontrolliert werden – präventiv und nicht erst auf Verdacht hin.