Persönlich

Lippenbekenntnisse

Über die Empörung, wenn Dorfläden, Poststellen oder Bahnverbindungen plötzlich vor dem Aus stehen.

Das Phänomen ist bekannt. Sobald die Schliessung eines öffentlichen oder privaten Dienstleisters vor der Türe steht, regt sich Widerstand, Empörung und Betroffenheit sind gross. Reflexartig fallen die «bösen Grossen» unter Generalverdacht, die «guten Kleinen» ausmerzen zu wollen.

- Beispiel Dorfladen. Es gibt kaum eine Gemeinde, welche nicht ein «Lädeli» verloren hat, vielfach die letzte Einkaufsgelegenheit im Dorf. Aufrufe werden gestartet, Unterschriften gesammelt.

- Beispiel Fachgeschäfte. Ob Sport- oder Eisenwaren-Fachgeschäfte, eines nach dem anderen schliesst. Selbst in Städten.

Vielfach sind die Proteste Lippenbekenntnisse. Das reale Einkaufsverhalten stimmt nicht mit der Empörung überein. Wenn das «Lädeli» nur noch als Notnagel für vergessene Einkäufe im Grossverteiler hinhalten muss, dann ist das Ende programmiert.

- Beispiel Poststellen. Die Schweizerische Post kämmt ihr Filialnetz durch. Wenn der Umsatz nicht mehr genügt, wird die Dienstleistungsstelle gestrichen.

- Beispiel öffentlicher Verkehr. Die Betreiber der Moutier-Bahn monieren einen Kostendeckungsbeitrag von 22 Prozent, sie ist schwer defizitär. Angesichts der anstehenden Investitionen in den Tunnel droht die Stilllegung.

Bei Post und Bahn stellt sich zwar die berechtigte Frage, ob sich ein reiches Land wie die Schweiz nicht auch defizitäre Poststellen und Bahnlinien leisten kann – und muss. Aber auch hier. Mitentscheidend ist der Konsument. Die Gefahr, dass eine genügend frequentierte Bahn auf das Abstellgeleise fährt, ist deutlich geringer.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1