Herzblut, Feuer, Leidenschaft: Solche Emotionen sind nicht an der Tagesordnung bei den oft staubtrockenen Geschäften im Solothurner Kantonsrat. Gestern waren sie zu spüren: Mit unerwarteter Heftigkeit haben die Volksvertreter/-innen Baudirektor Roland Fürst und dem ganzen Regierungsrat «heimgezündet» und mehr Engagement für die Interessen von Kanton und Region beim Sechsspurausbau der Autobahn zwischen Härkingen und Luterbach verlangt.

Während der Regierungsrat sehr rasch vor dem Argument der gigantischen Mehrkosten – laut Astra 500 Mio. Franken für 2 km Tunnel im Gäu – kapitulierte, will sich der Kantonsrat nicht so leicht geschlagen geben. Mit dem Autobahnkreuz A1/A2 trügen das Gäu und der Kanton Solothurn eine weit grössere Last im Dienst des nationalen Verkehrs als etwa die Urner mit der Nord-Süd-Achse, war gestern zu hören. Der Sechsspurausbau sei ein Jahrhundertprojekt mit immenser Langzeitwirkung, führte Markus Ammann (SP, Olten) ins Feld. Da dürfe sich der Kanton nicht mit der billigsten Lösung zufriedengeben, sondern müsse massiven Druck ausüben, um eine Annäherung des Projekts an die Bedürfnisse der Anwohner und der Bevölkerung, der Landwirtschaft, des Landschaftsschutzes, der Gesundheit und der Tier- und Pflanzenwelt zu erreichen. Reihenweise forderten auch Freisinnige, CVP-Vertreter und Grünliberale ein viel entschiedeneres Auftreten gegenüber dem Bund, als es der Regierungsrat bisher an den Tag gelegt hatte.

Gewonnen ist mit dem Auftrag an die Kantonsregierung noch nichts – denn bauen und zahlen muss der Bund. Aber das Beispiel des Tunnels durch die Grenchner Witi zeigt, dass ein Erfolg nicht unmöglich ist, wenn ein Kanton standhaft auftritt. Vieles liegt aber auch an der Region selbst: Ist das Gäu bereit, sich so wie einst die Region Solothurn-Grenchen für eine landschaftsschonende Autobahn einzusetzen?