Kommentar

Krass politique

Gemeindepräsidentin von Egerkingen Johanna Bartholdi (Archiv)

Gemeindepräsidentin von Egerkingen Johanna Bartholdi (Archiv)

Mit Verlaub, Frau Gemeindepräsidentin: Hatten Sie nicht selber vor zwei Jahren die Unterbringung von Asylsuchenden in der leerstehenden Klinik Fridau als eine «ideelle Immission» bezeichnet?

Nein, das wollen sich Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi und der Gemeinderat von Egerkingen nicht länger gefallen lassen: Dass das «Egerkinger Komitee» um SVP-Hardliner Walter Wobmann den guten Namen der Gemeinde in Misskredit bringt.

Nicht genug, dass das «Egerkinger Komitee» schon mit der «Minarett-Initiative» landesweit die Gemeinde und ihren Namen gleichsam «in eine Ecke stellten, wo sie nicht hingehören».

Aktuell geschehe Gleiches nun auch noch mit der «Burkaverbots-Initiative», klagt Bartholdi über diese fremdenfeindliche Gesinnung. Schliesslich sei Egerkingen Domizil mehrer internationaler Firmen.

Mit Verlaub, Frau Gemeindepräsidentin: Hatten Sie nicht selber vor zwei Jahren die Unterbringung von Asylsuchenden in der leerstehenden Klinik Fridau als eine «ideelle Immission» bezeichnet?

Mit dem Bahnhof von Gänsbrunnen ist das so eine Sache. Streng genommen liegt der Bahnhof bereits auf bernjurassischem Boden, wenige Meter hinter der Kantonsgrenze. Nur praktisch gehört der Bahnhof eben den Solothurnern.

Im Wahlkampf spielt das offenbar aber keine Rolle: Die Grünen des Kantons Bern haben mit ihren Plakaten kurzerhand das Stationsgebäude in Beschlag genommen.

Nun gut, als Entschädigung könnten die Solothurner Grünen von ihren Berner Kollegen ja einen beherzten Einsatz für den Erhalt der Bahnlinie Solothurn–Moutier fordern. Denn aus dem Nachbarkanton war zu dem Thema bislang kaum etwas zu vernehmen.

Die Luzerner waren traurig, die Basler stöhnten und die Bündner blickten eifersüchtig ins Mittelland: Es war ein Coup, als der Kanton Solothurn im Juli bekannt gab, dass sich eines der grössten Biotechunternehmen der Welt in Luterbach niederlassen wird.

Eine Milliarde Franken will Biogen hier investieren – zum Missfallen der Wirtschaftsförderer anderer Kantone. Alles nur lokalpatriotisches Geplänkel, wird sich da der «Boston Globe» gedacht haben. Das Blatt schrieb in einem Bericht flugs von «Luterbach near Zurich». (ums./sva)

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