Kapuzinerkloster

«Klosterhotel»: Das Prinzip Hoffnung genügt nicht

Das Kapuzinerkloster Solothurn

Das Kapuzinerkloster Solothurn

Wochenkommentar über die ungewisse Zukunft des Kapuzinerklosters Solothurn.

Der Staat Solothurn ist reich. Wenigstens reich an Liegenschaften, die in seinem Besitz sind. Für etliche dieser Gebäude hat der Kanton längst keine Verwendung mehr. Er sucht solvente Käufer. Zum Beispiel für das Kapuzinerkloster. Das 400-jährige Gemäuer, samt Kirche und grossem Umschwung, ist im März 2003 von den Kapuzinern aufgegeben worden. Seither wird die Liegenschaft an Veranstalter privater, kultureller, aber auch kommerzieller Anlässe vermietet. Er tut dies alles andere als kostendeckend, wie diese Zeitung erfahren hat. 23 000 Franken legt der Staat nach Verrechnung der Einnahmen mit den Unterhalts- und Betriebskosten laut offizieller Angaben jährlich drauf. Eine Summe, an deren Stichhaltigkeit mehrere Kritiker der kantonalen Immobilienstrategie ihre Zweifel hegen.

Das leerstehende Kloster hat schon die verschiedensten Interessenten in seinen Bann gezogen. Nicht alle Ideen trugen diesem besonderen Objekt Rechnung. Durchaus sympathisch die Idee privater Initianten für ein «Klosterhotel Solothurn». In einem sogenannten Integrationshotel sollen dort – nach den Vorbildern des «Dom» in St. Gallen und des «Breite» in Basel – Menschen mit Behinderung geschützte Arbeitsplätze zum Beispiel in Hausdienst und Küche finden.

Die ursprüngliche Begeisterung für das Projekt im Solothurner Rathaus ist inzwischen offenbar einer gewissen Distanziertheit gewichen. Gründe sind nicht zuletzt die Vorbehalte, die von Mitarbeitern in den zuständigen Departementen ins Spiel gebracht worden sind: Die Verantwortlichen in den kantonalen Ämtern wollen sich nicht bloss mit durchaus sympathischen Konzepten zufriedengeben, sondern fordern konkrete Zahlen zu Finanzierung und Wirtschaftlichkeit. Diese Fakten müssen die «Klosterhotel»-Initianten dem Kanton nun nachreichen. Denn klar ist, dass der Staat mit seinen Beiträgen nur den zusätzlichen Aufwand für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ausgleichen darf und nicht den eigentlichen Betrieb subventionieren will.

Regierung und Verwaltung müssen Farbe bekennen

Die Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr: Das Hotelprojekt setzt bezüglich der Finanzierung nicht zuletzt auf das Prinzip Hoffnung: Allein für die erste Ausbauetappe erhoffen sich die Initianten Spenden und Sponsorengelder von 8,5 Mio. Franken, weitere 10,5 Mio. für den zweiten Ausbauschritt. Eine Herausforderung, an deren Realisierbarkeit nicht nur Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli seine Zweifel hegt. Der finanziell klamme Kanton werde das Kloster nicht im Baurecht für ein Projekt freigeben, in dessen Finanzierung er am Ende auch noch selber investieren müsste. Aus dem Rathaus kommen allerdings widersprüchliche Signale.

Jedenfalls wirkt es irritierend, wenn man hört, dass Mäuslis oberster Chef, Regierungsrat und Baudirektor Roland Fürst (CVP), gegenüber den Initianten wiederholt Sympathien für das Hotel-Projekt bekundet hat. Ebenso wie – gemäss bestens informierten Quellen – auch Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler (FDP). Kein Wunder, dass die Verunsicherung hüben und drüben gross ist. Höchste Zeit also, dass in Sachen «Klosterhotel» bald klare Verhältnisse geschaffen werden. Spätestens dann, wenn die vom Departement des Innern geforderten zusätzlichen Fakten auf dem Tisch liegen und analysiert worden sind, muss der Kanton Farbe bekennen. Zumindest dies ist man den engagierten Initianten schuldig.

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