Der Mann muss Nerven wie Drahtseile haben: An einem schönen Tag im August verschickt er seinen Dienstleistern, sprich Gläubigern, die Frohbotschaft, dass der traditionelle Opern-Anlass künftig eine attraktive Kooperation eingehe und die Welt voller Geigen hänge. Doch mit unmittelbar nachfolgender Post kommt der Unheil verkündende Trommelwirbel: Kasse leer, von den Forderungen kann lediglich ein Bruchteil beglichen werden.

Wer für Solothurn Classics 2015 Arbeiten geleistet hat, muss also mit finanziellen Einbussen rechnen. Und es geht nicht nur um einige Batzen. Insider sprechen von einem anständigen sechsstelligen Frankenbetrag. Gut beraten war, wer seine Leistungen ausschliesslich auf Vorauszahlung erbracht hat. Solch skeptisch-kluge Leute soll es gegeben haben.

Opernfestivals sind eine kostspielige Angelegenheit und selbst renommierte Grossanlässe wie Avenches kämpfen ums Überleben. So erstaunt es wenig, dass auch der künftige Partner von Solothurn Classics nicht auf Rosen gebettet ist. Mit andern Worten, ein Darbender und ein Gegroundeter sollen sich nun gegenseitig zu neuen Höhenflügen verhelfen – das ist auch ein Konzept, ob erfolgversprechend, wird sich weisen müssen.

Eines ist jedoch gewiss: Nach dem diesjährigen Schwächeanfall, wird es Solothurn Classics 2017 noch schwerer haben (im kommenden Jahr ist Pause angesagt). Wer auf Anhieb nur mageren dreissig Prozent seiner Verpflichtungen nachkommen kann und möglicherweise Restbeträge bettelnd als Goodwill abschreiben lassen muss, ist kein willkommener Geschäftspartner. Bei aller Sympathie für derartige Projekte mögen die Betroffenen dazu nicht schweigen. Im Gegenteil: Ihr Klagelied singen sie in den höchsten Tönen.