Seit Donnerstagabend ist so gut wie klar, dass aus dem Projekt Solothurn Top 5 im besten Fall noch ein Solothurn Top 4 werden dürfte: Wenn schon der Gemeinderat Derendingen der Gemeindeversammlung das Nichteintreten auf das Fusionsprojekt beantragt, dann muss davon ausgegangen werden, dass am 8. Dezember nicht anders entschieden wird.

Das Wegbrechen des Mosaiksteins Derendingen könnte Folgen fürs Gesamtkunstwerk haben: In Zuchwil und Biberist wird die Skepsis damit sicher nicht geringer und für die Luterbacher ist «Solothurn» gefühlsmässig sowieso mindestens ebenso weit entfernt wie für die Derendinger.

Als künftiger Biogen-Standort «geadelt», dürfte Luterbach heute jedenfalls weniger an einer Fusion interessiert sein als auch schon.

Das Fusionsprojekt hatte und hat vor allem zwei Probleme: Erstens besteht aktuell in keiner der fünf Gemeinden ein Leidensdruck in dem Sinne, dass politische Ämter nicht mehr besetzt werden könnten oder die Gemeindefinanzen in totaler Schieflage stünden.

Zweitens ist Solothurn Top 5 das geblieben, was es von Anfang an war: Ein abstraktes, relativ technokratisches Projekt, das in der Folge nie wirklich beim Volk angekommen ist.

Trotz allen Bemühens ist es den Promotoren unter Federführung der fünf Gemeindepräsidenten nicht gelungen, in der Bevölkerung für eine Fusion Feuer und Flamme zu entfachen. Mehr als ein zaghaftes Glimmen wurde es nie.

Dass sich mit Kuno Tschumi nun eine der fünf Galionsfiguren plötzlich aktiv als Flämmchenlöscher betätigt, kann man als Realitätssinn loben – oder als Mutlosigkeit geisseln.

Macht der Derendinger Gemeinderatsentscheid Schule, werden Stimmbürger und Stimmbürgerinnen jedenfalls nicht materiell über Sinn und Unsinn der Fusion diskutieren – geschweige denn an der Urne entscheiden können.

Ein etwas gar klägliches Ende nach fünf Jahren Arbeit. Man kann zu Top 5 stehen, wie man will: Aber ein derart unschickliches Begräbnis muss jeden Demokraten schmerzen.

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