Schwinger nehmen Italo-Fussballern das Klubhaus weg! Auch Türken und Albaner werden heimatlos! So reisserische Schlagzeilen könnte Solothurn liefern. Denn nach 40 Jahren muss der CIS Solettese sein von anderen Ausländervereinen mit benutztes und frequentiertes Baracken-Beizli räumen. Die Stadt baut zwar für sie einen neuen Dusch- und Garderobenraum, aber eben auch einen Trainingsanbau für den Schwingclub.

Dass dahinter Absicht steckt, wäre eine bösartige Unterstellung. Doch hatte sich das Stadtbauamt bei der Bedarfsabklärung offenbar peinlich genau auf jeden erforderlichen Quadratmeter fürs Duschen und Umziehen fokussiert – das Beizli als gesellschaftlichen Nabel im Mittleren Brühl dabei aber glatt «vergessen». Mag sein, dass die Ausländervereine – mit kaum Kontakten zur Verwaltung und politisch nicht ins Stadtgeschehen eingebunden – die Planungsphase schlicht verschlafen haben. Doch zeigt der Fall auf, wie verschieden die Welten sind, in denen sich die etablierten und und die zugewanderten Teile unserer Gesellschaft bewegen.

Nun, verloren ist noch nichts. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen. Immerhin anerkennt Stadtpräsident Kurt Fluri, wie wichtig die Vereine für die Integration der ausländischen Jugend sind. Das Klubhaus des CIS Solettese zeigt dies Wochenende für Wochenende. Die Stadt dagegen hat noch zu beweisen, dass sie das Anliegen der Vereine ernst nimmt. Und diese müssen vielleicht noch lernen, dass der Kontakt mit Behörden und der Verwaltung zur Integration gehört. Die Klubs sind zusammen gefordert – jeder allein kann nicht sein eigenes Beizli haben. Denn niemand weiss, wann plötzlich ein FC Syria Solothurn im Nationalitäten-Mix des Mittleren Brühls auftaucht.

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