Den 20. November 2015 werden die 82 Beschäftigten der Michel AG in Grenchen kaum je vergessen. Die Firmenspitze informierte über die Zahlungsunfähigkeit und die Deponierung der Bilanz. Die Belegschaft wurde vor nackte Tatsachen gestellt, um jegliche Hoffnung für eine Weiterbeschäftigung gebracht.

Der Eigentümerschaft der Michel AG ist sicher nicht leichtfertiges Handeln oder gar Absicht zu unterstellen. Von aussen betrachtet wurde offenbar viel unternommen, um das schlingernde Schiff auf Kurs zu halten

Unternehmertum ist und bleibt ein Risikogeschäft, Arbeitsplätze werden geschaffen und abgebaut. Damit verbunden ist aber auch die Verantwortung, in erster Linie gegenüber der Belegschaft. Ansonsten mutiert die gerne gemachte Aussage über «das Personal als wichtigstes Kapital der Firma» zur Farce.

Seit Jahren kämpfte der Traditionsbetrieb ums Überleben, das tatsächliche Aus wird für die Verantwortlichen keine wirkliche Überraschung gewesen sein.

Es stellt sich die Frage, warum die Reissleine nicht früher gezogen wurde; zu einem Zeitpunkt mit genügend finanziellen Mitteln, um zumindest den Mitarbeitenden einen anständigen Sozialplan zur Verfügung stellen zu können.

Denn Entlassung ist nicht gleich Entlassung, der Konkurs ist der schlimmste aller schlimmen Fälle.

Die 82 Männer und Frauen sind gezwungen, sich ohne Vorbereitungszeit auf Jobsuche zu begeben, mit grosser finanzieller Unsicherheit und mit dem Blick in eine ungewisse Zukunft.

Gerade in einer Zeit, in welcher die Unternehmen speziell zurückhaltend sind mit Stellenbesetzungen. Das haben die Betroffenen nicht verdient, vorab jene, die während Jahrzehnten dem Betrieb die Treue gehalten haben.  @ franz.schaible@azmedien.ch