Wir Schweizer sind ja in der Regel nicht dafür bekannt, dass wir «Fremde» an unserem Leben teilnehmen lassen – und dann erst noch solche, die aufgrund ihrer seelischen Verfassung oft unerwartete Reaktionen zeigen. Mögen wir uns tagsüber auch gerne offen geben, abends oder sonntags ziehen wir dann doch die Tür hinter uns zu und zelebrieren das Private.

Nicht so jene Solothurner Gastfamilien und die über 30 Familien im Kanton Bern. Diese bieten psychisch kranken Menschen ein Stück Normalität. Eine Alternative ganz besonders zu betreuten Wohngruppen, wo die Betroffenen mit anderen seelisch belasteten Personen den Alltag teilen. Der familiäre Rahmen ermöglicht indes Beziehungen zu einem weiten Personenkreis, der unsere Gesellschaft spiegelt – Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte. Gastfamilien bieten damit ihren kranken Gästen Zugehörigkeit, wodurch sich die Betroffenen womöglich leichter und schneller im «normalen» Leben zurechtfinden können.

Zum Glück also gibt es jene Familien, die ihre Wohnungen psychisch kranken Menschen öffnen. Und vielleicht können sich noch ein paar weitere Familien zu diesem Engagement entschliessen. Schauen wir nicht weg, sondern hin. Damit leisten wir einen Beitrag zur eigenen psychischen Gesundheit und erleichtern die Genesung kranker Mitmenschen.