Solche Geschichten sorgen garantiert für fette Schlagzeilen, denn Autoritätspersonen sollten höheren Erwartungen gerecht werden – selbst wenn bei ihnen nicht immer messerscharf zwischen beruflicher und privater Tätigkeit getrennt werden kann:

Ein Polizeikommandant wähnt sich ausserorts und ist mit entsprechend hohem Tempo unterwegs, als die Radarfalle zuschnappt. Ein national bekannter Politiker fährt Auto, obwohl er vorgängig alkoholhaltigen Getränken zu wenig widerstehen konnte. Und in diesen Tagen hat der Grenchner Feuerwehrchef als Fiazler schweizweit von sich reden gemacht.

Fahren in angetrunkenem Zustand ist längst kein Kavaliersdelikt mehr. Das gilt selbst für hartgesottene Brandlöscher, die bekennenden Durstlöscher. Ihre Fahrer können denn auch in heikle Situationen geraten. Dann etwa, wenn sie mehr als ein Feierabendbier intus haben und unerwartet zu einem Ernstfall ausrücken sollten. Mit Zero-Toleranz kann es dabei tatsächlich zu Gesetzesverstössen kommen, weshalb sich letztlich das Parlament mit der 0,0-Promille-Vorgabe für diese Nutzfahrzeuglenker befassen musste.

Grenchner Fall liegt anders

Der Grenchner Kommandant ist jedoch nicht über eine derartige Ausgangslage gestolpert. Er soll wiederholt mehr Alkohol zu sich genommen haben, als in einem Kirschstängeli enthalten ist. Das ist allgemein bekannt – auch bei Leuten, die ihm nicht freundschaftlich verbunden sind. Wenn diese Personen gar am längeren Hebel sitzen, musste es früher oder später zum Eklat kommen. Dass der Feuerwehrmann nicht nur mit einem deutlich überhöhten Alkoholgehalt im Blut auf frischer Tat erwischt und danach gleich noch des Fahrens mit Elektrobike überführt wurde (selbstverständlich ohne den ihm abgenommenen Führerausweis), könnte man als überstrapaziertes Glück, schlichtes Pech oder dummen Zufall werten. In der Uhrenstadt tun dies allerdings nicht alle.

Bekanntlich ist Grenchen auf der Suche nach der idealen Organisationsstruktur der Bereiche Polizei, Feuerwehr und Zivilschutz. Möglichkeiten gibt es bei solchen Prozessen naturgemäss mehrere und an Köpfen, die an die Spitze drängen, fehlt es ebenso wenig. Durch sein Fehlverhalten ist der Feuerwehrkommandant einer mehr oder weniger natürlichen Selektion zum Opfer gefallen.

Nicht ganz alles falsch gemacht

Kaum jemand wird auf die Idee kommen, dass er nach den jüngsten Vorkommnissen weder für den Feuerwehr-Chefposten noch für höhere Aufgaben die bestmögliche Besetzung sein könnte – nicht einmal er selber. Zumindest so viel ist klar: Ein oberster Brandbekämpfer kann sich nicht erlauben, was der Grenchner glaubte, sich leisten zu können.

Eines muss man ihm jedoch zugutehalten: Er hat nicht versucht, die Vorkommnisse zu verwedeln, er ist zu seinem Fehlverhalten gestanden und hat damit gegenüber der Öffentlichkeit gezeigt, dass er seine Grenzen erkannt hat. Eine Eigenschaft, die man sich vermehrt bei Inhabern von Machtpositionen wünschen würde.