Die privaten Nebenämter des kantonalen Steueramtschefs Marcel Gehrig in der Berner Casino-Branche sind bewilligt und aus Sicht des Regierungsrates unproblematisch. Zu diesem Schluss kam die Regierung innerhalb von nur zwei Wochen. Rein rechtlich ist ja auch alles in Ordnung: Laut Staatspersonalgesetz sind Nebenbeschäftigungen auf Gesuch hin grundsätzlich erlaubt. So, wie auch in anderen Kantonen. Dass sich Gehrig selber mit seinen Nebenjobs in keine Interessenkonflikte gestürzt fühlt, glauben wir. Dass er dafür maximal die zulässigen vier Stunden pro Wochen aufwendet, müssen wir glauben.

Die Interpellanten haben es der Regierung einfach gemacht. Sie haben ihre Fragen explizit auf den – bei manchen – ungeliebten Steueramtschef fokussiert und erlauben der Verwaltung so, entsprechend fokussiert zu antworten. Tatsache ist aber, dass Kantonsangestellte verschiedener Stufen private Nebenjobs bekleiden und in den Departementen kaum mehr ein Überblick darüber besteht – geschweige denn im zentral zuständigen kantonalen Personalamt.

Weshalb holt eine Berner Firma den Solothurner Steueramtschef in seinen Verwaltungsrat? Doch wohl auch wegen dessen Kenntnissen im Umgang mit Steuerfragen. Dies muss zwar den Solothurner Regierungsrat nicht belasten – doch einfach zur Tagesordnung übergehen sollte er auch nicht. Es lohnt sich, in Sachen Chefbeamten-Nebenjobs besser hinzuschauen. Zu Recht will die FDP-Fraktion die Diskussion darüber im Kantonsrat führen. Denn: Nur weil etwas heute rechtlich in Ordnung ist, muss es nicht auch richtig sein – und so bleiben.