So gross die Enttäuschung am vergangenen 18. Oktober bei Roberto Zanetti war, als er das absolute Mehr für den Ständeratssitz knapp verpasste, so gross war am Sonntag die Erleichterung: Sein Sieg über Walter Wobmann stand bereits kurze Zeit nach Schliessung der Wahllokale fest – am klaren Resultat gab es nichts zu deuteln.

Im Vorfeld war allerdings von diesem ungefährdeten Durchmarsch nicht unbedingt auszugehen.

 Wer sich zwischen dem ersten und zweiten Durchgang mit Zanetti unterhielt, bekam immer wieder zu hören «unterschätzt den Walti nicht». Der SP-Mann hatte ganz offensichtlich gehörigen Respekt vor dem glanzvoll in den Nationalrat gewählten SVP-Vertreter.

Selbst das satte Polster von beinahe 13 000 Stimmen erachtete der bisherige Ständerat nicht als Garantieschein. Zu unberechenbar stufte er den Ausgang des direkten Links-Rechts-Duells ein.

Umso erstaunlicher das Ergebnis: Während Zanetti um mehr als 5000 Stimmen zulegen konnte, büsste Wobmann über 3000 Stimmen ein. Damit blieb er letztlich weit hinter seinem Nationalratsergebnis zurück.

Dabei kommt einmal mehr das den Wählerinnen und Wählern nachgesagte feine Gespür für politische Zusammenhänge zum Ausdruck. Denn rein rechnerisch betrachtet hätte ein Linker nach den Oktoberwahlen im Kanton Solothurn keine Chance gegen einen rechten Kandidaten haben sollen.

Allein das bürgerliche Lager SVP/FDP erreichte bereits einen Wähleranteil von fünfzig Prozent.

Bei einer Majorzwahl schlägt indes das helvetische Pendel selten bis nie zugunsten eines Hardliners oder Fundamentalisten aus, unabhängig von dessen politischer Gesinnung.

Walter Wobmann gab sich zwar kämpferisch, war sich jedoch bewusst, dass er mit seinem politischen Vorleben von einer breiten Bevölkerung nicht als ständeratstauglich angesehen wird.

Anders Roberto Zanetti, der sich in diesen Tagen gar gegen linke Wolkenschiebereien und für eine Öffnung seiner Partei hin zur Mitte ausgesprochen hat. So gesehen ist der Kanton Solothurn für die kommenden vier Jahre im Stöckli weiterhin mit zwei pragmatischen Politikern vertreten.

Zwei, die bisher recht gut harmonierten und über ihre Parteigrenzen hinaus in gewichtigen Schachfragen Koalitionen zustande brachten, die eben nur Standesvertretern gelingen, welche im und nicht am Rande ihres Rates politisieren.

Das Duo Bischof/Zanetti wurde letztlich mit klaren Resultaten bestätigt, in der Hoffnung, die Besten der zur Wahl Vorgeschlagenen in die kleine Kammer gewählt zu haben.

Nebst der Ehre, eine Verpflichtung in Zeiten mit grossen Herausforderungen – die Wählerinnen und Wähler werden ein scharfes Auge auf den CVP- und den SP-Mann haben.

theodor.eckert@azmedien.ch