Gar lange dümpelte das Fusionsprojekt Top 5 vor sich hin, ohne dass sich breite Bevölkerungskreise ernsthaft dafür interessiert hätten. Und auch am kommenden Dienstag werden die vorentscheidenden Gemeindeversammlungen nicht für leergefegte Strassen sorgen.

Immerhin, die auf der Zielgeraden gegründeten Pro- und Kontra-Komitees haben die permanente Medienberichterstattung noch etwas bereichert, sodass sich das ambitionierte Anliegen nicht gänzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit in die Festtage verabschiedet.

Zündung wurde tunlichstvermieden

Gemeindefusionen enthalten grundsätzlich immer Zündstoff. Bei Top 5 ist es allerdings meisterhaft gelungen, ihn von sämtlichen Funken fernzuhalten. Entsprechend ist auch nichts passiert. Kein Freudenfeuer, kein Donnergrollen.

Zwar politisch korrekt, aber steril und somit frei von jeder Ansteckungsgefahr wurden Ideen präsentiert, die letztlich mehr Fragen aufwerfen, als Antworten zu liefern. Selbstverständlich kann nicht verlangt werden, dass bei einer derart komplexen Grossfusion bis in alle Details vorgespurt wird. Ein gewisses Mass an Spielraum muss offenbleiben. Allerdings kann es ebenso wenig angehen, ganz zentrale Aspekte offenzulassen, um sie dann nach gewonnener Schlacht irgendwann in der Zukunft zu lösen.

Fusionen bieten zweifellos grosse Chancen und sollten deshalb nicht von Bedenkenträgern gleich im Ansatz torpediert werden. Fusionen, so sie den Namen tatsächlich verdienen, beinhalten allerdings auch unliebsame Prozesse, die durchaus schmerzhaft sein können. Bloss Gemeindegrenzen aufheben, ohne die bisherigen Strukturen anzutasten, gleichzeitig sämtliche Besitzstände zu wahren und keine unliebsamen Synergien zu nutzen – also mit andern Worten, keiner Menschenseele auf die Füsse zu treten – so macht ein Zusammengehen von Kommunen in der Tat wenig Sinn.

Auch wenn Gemeinwesen nicht mit dem eisernen Besen zusammengewischt werden können, wie dies in der Privatwirtschaft zuweilen geschieht, gehört das Thematisieren von sensiblen Punkten ins Konzept. Mit Ausklammern oder gar Augenwischerei wird garantiert keine Volksabstimmung zu gewinnen sein. Nebulöse Andeutungen und Vertröstungen sorgen höchstens für diffuse Ängste. Dagegen lösen klare, nüchterne Informationen Denkprozesse aus, die dazu führen können, dass individuelle Betroffenheiten in den Hintergrund rücken und die Sicht auf zukunftsgerichtete Lösungen zugunsten des Gesamtwohls frei wird. Das ist nicht zuletzt dann von Bedeutung, wenn kein unmittelbarer Leidensdruck vorhanden ist.

Noch einmal, die Fusion Solothurn & Co. ist kein blutleerer Papiertiger. Sie stand ganz einfach von Anfang an unter einem schlechten Stern. Das Abspringen von zwei Gemeinden in einem frühen Stadium war symptomatisch.

Eine Investition in die Zukunft ist es allenthalben

Im Hinblick auf den 8. Dezember ist trotz allem zu hoffen, dass in den betroffenen Gemeinden Eintreten beschlossen wird. Alles andere wäre eine Geringschätzung der bisherigen Bemühungen sondergleichen. Über das Schicksal von Top 5 muss am 28. Februar 2016 im Rahmen einer Schlussabstimmung an der Urne befunden werden. Auch wenn heute davon ausgegangen werden kann, dass die angedachte Fünferfusion nicht zustande kommt, ist der aktuelle Prozess eine Investition in die Zukunft. Damit wurde das Bewusstsein weiterer Kreise der Bevölkerung für längerfristiges Denken in Gang gesetzt. Und wenn wenigstens eine Minihochzeit daraus hervorgehen sollte, hätten die Zögerer konkreten Anschauungsunterricht, was fusionieren in der Praxis wirklich heisst.