Wochenkommentar

Dieses Problem kann die SVP nicht weiterreichen

Die Solothurner SVP hat nur Nationalratskandidaten auf der Liste. (Symbolbild)

Die Solothurner SVP hat nur Nationalratskandidaten auf der Liste. (Symbolbild)

Wochenkommentar zu verbalen Zuckungen vor den nationalen Wahlen im Herbst 2015.

Spätestens wenn es um Wahlen geht, sind Parteistrategen und ihre (Laut-)Sprecher gefordert. Entsprechend kreativ gebärden sie sich. Hell wach, erkennen sie die eigenen Schwachpunkte meist auf Anhieb und lassen sich kommunikative Gegenstrategien einfallen. Hoffnungen setzt man dabei auf bewährte, erfolgversprechende Mittel wie einlullen, ablenken und schönreden. Eine Taktik, die man sich längst nicht nur im Politgeschäft zu Nutze macht.

Ein Paradebeispiel aus der Vergangenheit, das bis heute noch gerne zitiert wird: Eine japanische Automarke will den alten Kontinent erobern. Damals jedoch enthielt das europataugliche Angebot weder Flüsterfahrzeuge noch besonders leistungsfähige Vehikel. Werbemässig wurde deshalb der Stier bei den Hörnern gepackt. Die Kunden lockte man fortan mit dem eingängigen Slogan „Leise, kraftvoll, …ishi“. Und tatsächlich, es hat in diesem Fall bestens funktioniert.

Ob diese Strategie auch bei den Solothurner Wahlen Erfolg hat, wird sich zeigen. Dass sie angewandt wird, haben wir in diesen Tagen bereits erfahren. So setzen die Freisinnigen bei der kommenden Ständeratswahl voll auf Frauenpower. Warum nicht, wenn es die Konstellation erfordert? Was die Wahrnehmung anbelangt, klaffen allerdings Innen- und Aussicht doch etwas auseinander: Gezielte Frauenförderung, Geschlossenheit und Kampfgeist brachten Beobachter in den letzten Jahren nicht unbedingt mit dieser Partei in Verbindung. Aber wenn schon kein Mann den Mumm hat anzutreten, kann man durchaus vielsagend verkünden „D Marianne machts“ – was damit auch immer gemeint ist. Das Feld für Interpretationen zumindest ist offen. Und als Dreingabe werden wir schliesslich explizit daran erinnert, dass unser Kanton in Bern derzeit lediglich mit einer einzigen Frau vertreten ist. Danke für den Hinweis.

Noch kecker die SVP. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung. Die in unserem Kanton auf grosses Echo stossenden und damit erfolgreichen Rechtsbürgerlichen, lassen im Kampf  um beide Kammern die Frauen komplett aussen vor. Nicht dieser Umstand an sich ist keck (er ist eher blamabel), sondern  die Einordnung dazu, die vorauseilend beigefügt wird: Die frauenfreien National- und Ständeratslisten gingen aus SVP-Sicht in Ordnung, die seien höchstens für die Linken und die Medien ein Problem. Wenn Sie sich da nur nicht täuschen, meine Herren. Dieses Problem lässt sich für einmal nicht weiterreichen. Es zeigt nämlich auf, dass die SVP in ihren Reihen entweder über keine Frauen verfügt, die für höhere Aufgaben geeignet sind oder wenn es solche gibt, diese zu intelligent sind, um sich vor jeden Karren spannen zu lassen. Nein, ein Problem für Aussenstehende ist das nicht – sie nehmen es höchstens mit Interesse zur Kenntnis.

Kommunikativ noch nicht aufs Glatteis begeben haben sich bisher die von der SVP angetippten Linken. Dazu zählen Toni Brunners Leute mitunter auch die CVP’ler. Doch die orangen Schwarzen, respektive die Roten müssen auch nicht vorpreschen, zumindest was die Sitze im Stöckli anbelangt. Das Duo Bischof/Zanetti hat bisher aus Standessicht solide Arbeit geleistet und kann in der Zuschauerrolle vorerst abwarten, woher und wie stark der Wind weht.  Was die Personalpolitik betrifft, sind unter dem Strich letztlich alle etablierten Parteien herausgefordert: Der Umgang mit Sesselklebern, frustriertem Nachwuchs in Warteschlaufen und Genderdiskussionen können dazu verleiten, aus strategischen Gründen aus einem X ein U machen zu wollen. Bei allem Verständnis darf von den Parteioberen nur niemand überrascht sein, wenn Bürger die Buchstaben auseinanderhalten können.

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