Persönlich

Diese Kleidermode ist nur grotesk

Zerrissene Jeans gefallen dem Autoren gar nicht.

Zerrissene Jeans gefallen dem Autoren gar nicht.

Spielt die Modewelt verrückt?Jeans mit Löchern verkaufen sich wie warme Weggli.

Die Kleidermode kennt eine Regel: Sie lebt von der Wiederholung. Was gestern out war, ist heute wieder in. Ob Hemden, Hosen, Blazer, T-Shirts, Vestons, Anzug, Schuhe, Sandalen – alles war schon einmal da. Echte Innovationen sind rar, was angesichts der Fülle im Angebot nicht verwundert. So kommt es, dass beispielsweise die legendären Birkenstock-Sandalen wieder hipp sind. Früher galt das eher klobige Schuhwerk aus deutscher Produktion als Inbegriff des Alternativen, des Gesundheitsbewussten und auch des spiessigen Pantoffelträgers. Und heute? Das Schuhwerk erlebt ein ungeahntes Revival. Selbsternannte modeaffine Weltbürger tragen wieder die Latschen mit zwei Schnallen, Fussbett und Korksohle. Warum auch nicht? Sie sind bequem.

Dagegen stehen mir bei einem anderen Mode-Comeback die Haare zu Berge: den sogenannten «destroyed Jeans», Hosen mit Löchern. Was in den 80er- und 90er-Jahren vielleicht noch als modische Rebellion, als Auflehnung gegen das Establishment durchging, ist heute nichts anderes als ein Auswuchs unserer Konsumwelt. Da zahlen Konsumentinnen und Konsumenten gleich viel oder gar mehr für eine verschlissene Hose als für eine normale Hose ohne Löcher.

Das ist Irrsinn und ein Affront. Insbesondere gegenüber all jenen Millionen Menschen, die sich ob ihrer schäbigen Kleidung schämen und die nichts anderes wünschen, als sich saubere und nicht schadhafte Kleider leisten zu können. Das freiwillige Tragen von löchrigen Jeans als teure Designerklamotte hat nichts mit Rebellion oder modischer Selbstverwirklichung zu tun. Die Träger beugen sich schlicht einem grotesken Modediktat.

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