Selbstverständlich ist Ihnen längst klar, dass Sie Walter Wobmann als neuen Ständerat nach Bern schicken wollen – oder Sie sagen ebenso unerschütterlich: Nur den nicht, Roberto Zanetti, muss zusammen mit Pirmin Bischof den Stand Solothurn auch in der nächsten Legislatur im Stöckli vertreten.

In diesem Fall dürfte selbst das «fätzige» Streitgespräch zwischen dem bisherigen SP-Ständerat und seinem Herausforderer von der SVP in der gestrigen Ausgabe auf taube Ohren gestossen sein.

Dagegen dürften die hellhörigen Unentschlossenen, die den Vertretern von Pol-Parteien nicht mit offenen Armen begegnen, etliche aufschlussreiche Aussagen zur Kenntnis genommen haben, um spätestens in einer Woche entscheiden zu können.

Die beiden erfahrenen Kandidaten liegen in politischen Fragen zwar Welten auseinander, aber man weiss wenigstens, was man von ihnen erwarten darf. Allein in Sachfragen zeigt ein Blick auf die Spider-Grafik, dass die Positionen gegensätzlicher nicht sein könnten.

Während Zanetti unmissverständlich für mehr Umweltschutz, einen umfassenden Sozialstaat und leicht abgeschwächt, für die aussenpolitische Öffnung steht, hält Wobmann von Letzterer gar nichts, dafür umso mehr von einer strikteren Ausländerpolitik und einem strengen Rechtssystem.

Entsprechend hitzig verlaufen die Diskussionen zwischen den Beiden, wenn sie mit entsprechenden Fragen konfrontiert werden. Was dabei besonders auffällt: Sie führen die Debatten ausschliesslich auf der sachlichen Ebene.

Selbst in hochemotionalen Phasen des Gesprächs lassen sie sich nie zu persönlichen Anwürfen herab. Das spricht für ihre Professionalität, für ihre Streitkultur, die sie während all den Jahren im Politbetrieb erworben haben.

Nicht zuletzt dürfte jedoch auch ihre Herkunft dazu beigetragen haben, dass sie den Boden unter den Füssen nicht so schnell verlieren. Divenhaft-elitäres Gehabe liegt beiden fern.

Von Walter Wobmann weiss man, dass er in einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, während Roberto Zanettis Vater auf der Suche nach Arbeit im Wasseramt fündig wurde, nachdem sie im Puschlav immer schwieriger geworden war.

Sowohl Zanetti als auch Wobmann können für ihre Sache hinstehen und dafür kämpfen, wenn eben auch an unterschiedlichen Fronten, mit völlig unterschiedlichen Denkansätzen.

Der SVP-Mann tritt dabei oft verbissener an (was nicht mit weniger erfolgreich gleichzusetzen ist), während es dem versöhnlicher wirkenden Zanetti immer wieder gelingt, Gegner für sich und seine Anliegen einzunehmen.

Damit sind wir beim Kernpunkt dieser Wahl angelangt: Ein aufmerksamer Beobachter stellte diese Woche im Rahmen eines Gesprächs die Frage «sind Ständeräte einfach bessere Nationalräte?»

Ein Einschub: Würde allein der Leistungsausweis im Nationalrat in die Waagschale geworfen, hätte Wobmann die Nase vorn, da man ihn in der grossen Kammer mehr zur Kenntnis genommen hat als Nationalrat Zanetti in seiner Zeit zwischen 1999 und 2003.

Doch der Fragesteller zielte auf etwas ganz anderes ab, nämlich auf das Verhältnis der Anwärter zum Kanton. Dieses bezeichnete er als «institutionell». Und da punktet in der Tat Zanetti.

Sein Engagement ist weniger vom Parteibüchlein getrieben als vielmehr vom Bestreben, dem Kanton Solothurn und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern von Nutzen zu sein. Er und der bereits gewählte zweite Standesvertreter sind dieser Maxime bisher konsequent gefolgt.

Der wirblige bis kompromisslose Walter Wobmann hat am 18. Oktober nicht ohne Grund das beste Resultat aller Solothurner Nationalratskandidaten erzielt. Die Wählerinnen und Wähler haben erkannt, dass er seine Stärken im Nationalrat am wirkungsvollsten zur Geltung bringen kann.

Das heisst nüchtern betrachtet, ein Ständerat Walter Wobmann könnte seine Erfolgskurve kaum fortschreiben – zur Enttäuschung seiner Basis und zum Nachteil der Bevölkerung unseres Kantons.

@theodor.eckert@azmedien.ch