Die Wogen gehen jeweils hoch, wenn bei Beschaffungen durch die öffentliche Hand regionale Unternehmen leer ausgehen. Da kaufen die Solothurner Verkehrsbetriebe BSU neue Busse in Deutschland. Dabei produziert die Carrosserie Hess in Bellach – einzig verbliebener Busbauer der Schweiz – nur drei Kilometer entfernt modernste Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr.

Oder es entstehen Unstimmigkeiten, wenn der Betonstahl für den Neubau des Bürgerspitals Solothurn nicht automatisch und vollumfänglich vom nahen Stahlwerk in Gerlafingen geliefert wird. Oder es rumort in der Baubranche, wenn der Kanton einen Grossauftrag an die österreichisch beherrschte Strabag-Baugruppe vergibt.

Die Empörung ist zwar nachvollziehbar – aber nicht berechtigt. Die scheinbar unverständlichen Entscheidungen der Auftraggeber sind nämlich Ausdruck der engsten Verknüpfung der Schweiz mit dem Ausland.

Als Mitglied der Welthandelsorganisation WTO müssen wir deren Regeln über das öffentliche Beschaffungswesen übernehmen; insbesondere jene der Nichtdiskriminierung von Anbietenden und des Gleichbehandlungsgebotes über die Grenzen hinweg. Die Regeln beruhen auf Gegenseitigkeit. Nur deshalb ist es möglich, dass etwa Hess seine Busse europaweit verkaufen kann – wohlverstanden gegen die dortige einheimische Konkurrenz.

Die Schweiz kann ihren Markt nicht abschotten. Ansonsten droht der Verlust viel grösserer Absatzgebiete im Ausland. Heimatschutz wäre in diesem Fall der falsche Ansatz. Wie immer gilt: Jede Medaille hat eine Kehrseite – eben auch die der Globalisierung.