Als Steueramtschef des Kantons Solothurn verdient Marcel Gehrig sehr gut und hat zudem alle Hände voll zu tun. Sein Freizeitengagement bei der Kongress-Kursaal Bern AG, das ihm jährlich rund 80 000 Franken einträgt, sorgt deshalb für Irritation. Kommt hinzu, dass er diesen Batzen in einer Branche verdient, die kein ganz lupenreines Image hat. Andererseits: Ist die Empörung, die sich jetzt vor allem an der Höhe der Entschädigung entzündet, gerechtfertigt? Sicher, uns Normalverdienern wird bei der Höhe von so manchen Verwaltungsratshonoraren schnell mal schwindlig. Zumal diese Beträge oft für wenige Stunden Arbeit pro Jahr bezahlt werden. Und ja: Es ist wohl mehr als fraglich, ob solche fürstlichen Honorare auch wirklich immer gerechtfertigt sind.

Bei der Beurteilung aber, ob ein Nebenjob mit dieser Entschädigung für den Steueramts-Chef statthaft ist, dürfen solche letztlich moralischen Überlegungen nicht im Zentrum stehen. Was jemand (auch Marcel Gehrig) in seiner Freizeit macht, ist in erster Linie seine Sache. Jeder Mitarbeitende ist froh, wenn ihm nicht überall dreingeredet wird. Sichergestellt muss zweifellos sein, dass keine Interessenkonflikte bestehen und zudem die Arbeit nicht darunter leidet. Im Kantonsrat und gegenüber den Medien hat Finanzdirektor Roland Heim als Vorgesetzter von Marcel Gehrig versichert, dass dem so ist. In der Geschäftsprüfungskommission wird er eine weitere Gelegenheit erhalten, seine Argumente glaubhaft darzulegen. Die öffentliche Debatte trägt damit dazu bei, dass auch bei den Nebenjobs von Staatsangestellten genau hingeschaut wird. Das sind Regierung und Verwaltung uns Steuerzahlenden schuldig.