Schon die Kelten hatten den tiefen Einschnitt zwischen den Felswänden als Kultstätte genutzt. Es folgte Verena, die erste Einsiedlerin noch zu Römerzeit. Mit ihr begann der Mythos, die Legende: Satan, oder volkstümlicher der Teufel, tobte sich dort in unsäglicher Wut über seine Machtlosigkeit gegenüber der Heiligen aus. Die Schlucht nährte den Mythos, sie wurde sakral aufgerüstet, mit Kapellen, religiösen Figuren in Grotten und einem Stationenweg. Brücken und Wege erschlossen den Kraftort für alle, dessen Mystik auch personell abgesichert wurde: Jahrhunderte lang sorgten Einsiedler fürs Image einer gottgefälligen Stätte, geschaffen zur Einkehr der Gläubigen.

Seit 2009 versuchten zwei Frauen dieses Wirken fortzusetzen. Doch allein ihre Wahl sorgte für einen regelrechten Hype. Die Einsiedelei bekam mehr Aufmerksamkeit, als ihr gut tut. Zunehmend finden sich neben den vielen Touristen auch Elemente, die das Christentum kritisch sehen oder sich durch die sakralen Stätten und ihre Hüterin gar provoziert fühlen. Ja schlimmer noch, darin ein Feindbild zu erkennen glauben. Esoterik, Schamanismus und Naturreligionen nahestehende Bewegungen sind harmlose, wenn auch mitunter lästig werdende Erscheinungen im Schluchtbild. Doch ab und zu tauchen unheimliche Zeitgenossen auf. Tickende Zeitbomben vielleicht, die wie jene am 4. Januar 2011 zu St. Ursen plötzlich hochgehen? Es gilt wach, ja wachsam zu bleiben. Und jene Frau zu schützen und unterstützen, welche die Schlucht erst zu dem macht, was sie seit Menschengedenken ist: einer Einsiedelei, die zur Einkehr und Besinnung lädt.