Kommentar

Der Stadtpfarrer, den Solothurn verdient

Andreas Kaufmann
Niklas Raggenbass

Niklas Raggenbass

Stadtpfarrer Niklas Raggenbass ist ein Fasnachtsfan und bringt neue Ideen und frischen Wind nach Solothurn.

Es ist die Geschichte einer Beerdigung. Mitten in die Trauerfeierlichkeiten platzt der Regen. Einer der Anwesenden spannt den Schirm auf und entlädt so über die trauernde Gemeinschaft unwillentlich eine Ladung Konfetti, die sich in der Narrenzeit dort eingenistet hatten. Die Geschichte, die Stadtpfarrer Niklas Raggenbass persönlich erlebt hat, verwirrt. «Wissen Sie, das Leben umschliesst Trauer und Freude», so sein Kommentar dazu. Er, der seit anderthalb Jahren in Solothurn weilt, gewährt den Konfetti sogar in seiner Kirche Einlass, erntet damit Jubel und blickt in volle Kirchenränge. Und ja: Bei jenen mit festen Ansichten und ebenso festem Stammplatz im Gotteshaus eckt er auch an, weil er als Showmaster missverstanden wird. In anderen Momenten verwirrt er, weil er offen kirchenrechtliche Grundsätze hinterfragt.

Tatsächlich ist es ein schwer zu tragendes Kreuz geworden, die christliche Gemeinschaft zusammenzuhalten, ohne den Gottesdienst zur rein unterhaltenden «Jesus Party» werden zu lassen. Oder ohne Prinzipien zu hinterfragen, weil es halt Mode geworden ist, dies zu tun. Die innere Haltung des Stadtpfarrers ist eine andere und geht auf den ersten Korintherbrief zurück, von dem man an fast jeder Hochzeit hört: Die Liebe – und damit die Gemeinschaft und Menschenliebe – steht über dem Glauben. In diesem Sinne setzt Niklas Raggenbass vor Ort in die Tat um, was Papst Franziskus im fernen Rom visionär postuliert. Mit ihm hat Solothurn den Stadtpfarrer, den es verdient – und obendrein einen, der nicht nur die Menschen, sondern auch noch ihre Fasnacht liebt.

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