Der Leberberger Klassenprimus steht vor dem Ende. Schon 2016 möchte Kammersrohr fusionieren. Als Partner infrage kommen Feldbrunnen, Günsberg und Hubersdorf. Die damit drohende Steuererhöhung dürfte manch Gutbetuchte in der Steueroase schmerzen. Dass die Kleinstgemeinde von der Solothurner Landkarte verschwindet, überrascht jedoch nicht.

Dass Kammersrohr so lange selbstständig bleiben konnte, hängt mit dem rekordtiefen Steuerfuss vom 60 Prozent zusammen. Eifrig stemmte sich das Dorf gegen eine Fusion. Nun ist ihm der Schnauf ausgegangen. Wie viele ländliche Gemeinden findet Kammersrohr kaum mehr Behördenmitglieder. Altgediente Amtsträger sehen ihre Pflicht erfüllt und treten ab. Dem Nachwuchs mangelt es an Identifikation mit der Scholle. Junge ziehen aus dem Dorf weg. Das ist eine Zeiterscheinung.

Dass Kammersrohr die möglichen Fusionspartner mit der Anfrage überrumpelt, gehört zur Taktik. Feldbrunnen, Günsberg und Hubersdorf müssen nun rasch Farbe bekennen und einen Grundsatzentscheid fällen. Statt eine Fusion zu zerreden, soll in den verbleibenden acht Monaten nur das Wesentliche geregelt werden. Die Feinarbeit folgt später.

Auch das ist vernünftig. Denn dass die 33-Seelen-Gemeinde Leichen im Keller versteckt hält, ist unwahrscheinlich. Stimmt es, was Gemeindepräsident Terry Spillmann sagt, ist Kammersrohr tatsächlich ein reizvoller Fusionspartner. Da darf es auch mal etwas schneller gehen.

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