Es war die Frucht mühevoller Stunden und der Stolz seiner Schöpfer: Das Qualitätsleitbild der Stadtschulen Solothurn, das vor vier Jahren entstand; eine Faltbroschüre, die das Grundsätzliche in rund 470 Worte fasst. Förderung der Lehrerkompetenzen, Respekt und Wertschätzung, didaktische Methodenvielfalt, Qualitätsentwicklung, Vorbildfunktion der Lehrer und vieles mehr. Halt alles, was wohl in fast jedem Schulkreis einmal gemacht wird und überall nach langen Anstrengungen zum gleichen Resultat führt, führen muss.

Nun gewinnt der zweite grosse Streich der Stadtschulen an Form: das CI-Leitbild. «Was ist denn CI?», war die Frage, die eine Lehrperson anlässlich der Entwurfspräsentation frecherweise zu stellen wagte. Corporate Identity, das Gesicht, die sich eine Unternehmung gegen aussen gibt. In diesem Prozess entstand vorläufig etwas Grösseres als ein Prospekt: ein Plakat. Ein zentrierter Kreis, der das Team («die Kraft») darstellt, wird von drei weiteren Kreisen umfasst: Selbst-, Sach- und Sozialkompetenz.

Ums vorwegzunehmen: Das Plakat passte schon im Vorfeld nicht allen in den Kram: «Die Kreise sehen aus wie Ballone» oder «Die abgebildete Lehrerin und die Schülerin rücken die weibliche Perspektive zu stark in den Vordergrund», war aus Schulleiterkreisen zu hören. Und so spannte die Stadtsolothurner Schuldirektorin Irène Schori die gesamte Lehrerschaft in den Versuch mit ein, ein Leitbild zu gebären. In einem Improvisationstheater wurden die Begrifflichkeiten reflektiert, anschliessend darüber diskutiert. Nur: Das inhaltlich und kosmetisch zufriedenstellende Endresultat liegt noch nicht vor. Und so bleibt die Frage, was CI ist, auch nach unzähligen Arbeits- und Findungsstunden unbeantwortet. Und mehr noch die Frage, wozu eigentlich ein solches CI gut ist . . .