Fussgängerstreifen

Den Vortritt nicht erzwingen

Die Behörden haben Fussgängerstreifen unter die Lupe genommen.

Die Behörden haben Fussgängerstreifen unter die Lupe genommen.

195 Fussgängerstreifen im Kanton Solothurn gelten als unsicher und müssen saniert werden.

Jeder fünfte Fussgängerstreifen auf Solothurner Kantonsstrassen gilt als gefährlich. Das sagen die Behörden, nachdem sie fast 1000 Übergänge unter die Lupe genommen haben. 195 Zebrastreifen sind somit sanierungsbedürftig. Weil es zu teuer und zu aufwendig ist, kann der Kanton nicht sofort handeln. Das ist auch nicht nötig: Selbst der sicherste Fussgängerstreifen kann zur tödlichen Falle werden.

Dass der Kanton das Augenmerk auf die Zebrastreifen entlang der Schulwege legt, ist sinnvoll. Kinder sind die schwächsten Teilnehmer im Strassenverkehr. Und sie sind häufig unbedarft. Sicherheitskampagnen hin oder her.

Zebrastreifen lassen die Emotionen hochkochen. Werden die gelben Linien in einem Dorf angetastet, folgen erboste Reaktionen auf dem Fuss. Das zeigt das Beispiel Rüttenen. Dort wollte der Kanton einen Streifen um ein paar Dutzend Meter verschieben. Er war zu wenig einsehbar. Das sah der Gemeinderat nicht ein. «Hier ist ja noch nie etwas passiert», so das Argument. Das verfing nicht. Der Kanton musste die Massnahme durchsetzen.

Seit 1994 geniessen die Fussgänger in der Schweiz Vortritt. Noch immer sind täglich Autofahrer zu beobachten, die munter drauflosfahren. Sie sind zu bequem, um abzubremsen. Dabei wäre gedrosseltes Tempo das beste Mittel gegen Unfälle. Trotzdem: Erzwingt ein Fussgänger den Vortritt, kann dies fatal sein. Für Machtspiele sind Zebrastreifen der falsche Ort. Fussgänger ziehen immer den Kürzeren.

@ christof.ramser@azmedien.ch

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