Am 28. September dieses Jahres sprach Bundespräsidentin Sommaruga als «Präsidentin der Schweiz» zum 70. Geburtstag der UNO.

In Ihrer qualvollen 13-minütigen Rede stellte sie fest, dass die Welt an Krieg, Terrorismus, Klimaerwärmung und bitterer Armut leide.

Und sie erklärte, wieso dies einem friedlichen und wohlhabenden Land wie der Schweiz nicht egal sein kann; sie ist nicht nur mitschuldig, sondern leidet selbst ganz erheblich an den Folgen, nämlich an der Migration, die ihren Wohlstand gefährdet.

Mit sicherem Gespür machte die Bundespräsidentin das, was man von einer reuigen Täterin wie der Schweiz erwarten darf: Sie legte ein Geständnis ab und versprach, sich massgeblich für den Weltfrieden einzusetzen, indem sie sich – Achtung, festhalten! – für eine stärkere Mitwirkung der Frauen in Friedensprozessen engagiert.

Genüsslich stellte ich mir vor, wie diese Worte den kriegstreibenden Diktatoren und Terroristen den Angstschweiss auf die Stirn trieben.

Beim erwähnten Geständnis ging es mir selbst dann aber auch nicht besser: «Wir müssen uns eingestehen, dass wir es noch nicht geschafft haben, Wohlstand auch nur annähernd gerecht zu verteilen auf dieser Welt.»

Wir? Wen meinte sie mit «wir»? Vielleicht sprach sie in der Wir-Form, um ihre hohe Stellung zu unterstreichen.

Jedenfalls hoffe ich, dass sie mit «wir» nicht die Bürgerinnen und Bürger der Schweiz, denn zumindest mir wäre ein solches Geständnis peinlich; peinlich, wenn sich ausgerechnet der reiche Mann vor dem armen Lazarus und der Weltöffentlichkeit über ungerecht verteilten Wohlstand beklagt.

Wahrscheinlich sprach die Bundespräsidentin für die reichen demokratischen Länder und deren Dilemma, das einer Verteilung des Wohlstands entgegenzustehen scheint.

Demokratisch gewählte Regierungen können ihren Wählern nämlich nichts wegnehmen, zumal sie ihnen regelmässig das Gegenteil versprechen.

Es überrascht daher nicht, dass die Bundespräsidentin auch im Bereich Armutsbekämpfung keine ernsthaften Lösungsansätze liefern konnte. Als moderne Politikerin wird sie sich aber mit Vorliebe dort engagieren, wo sie moralisch unangreifbar ist, etwa bei der fürsorglichen Aufnahme von Migranten, die aus bitterster Armut in die reiche Schweiz fliehen.

Sie wird ja nicht gleich fordern müssen, die von allen verteufelten Schlepper zu unterstützen, obwohl es die meisten Flüchtlinge ohne sie niemals in die Schweiz schaffen würden.

In Wahrheit geht es aber nicht um Umverteilung. Politisch erzwungene Umverteilung, ob gerecht oder ungerecht, schwächt langfristig die Geber wie die Empfänger.

Wohlstand ist deshalb nicht zu verteilen, sondern zu erarbeiten – und das setzt fairen Wettbewerb voraus.

Dazu gehört, dass die reichen Industrieländer damit aufhören, ihre Märkte abzuschotten und gleichzeitig die Entwicklungsländer mit subventionierten Billigprodukten zu fluten.

Dieser ökonomische Ansatz mag einer Sozialdemokratin suspekt sein, aber er kommt wenigstens ohne ein falsches Geständnis aus.