Ein Solothurner SVP-Komitee schaltet für gutes Geld mehrere Inserate und mischt sich in den nun doch langsam Fahrt aufnehmenden Wahlkampf ein. So weit, so nachvollziehbar. Schon etwas weniger gängig: Es wird nicht etwa ein Kandidat angepriesen, sondern einer zur Abwahl empfohlen. Und jetzt wird es völlig skurril: In die Wüste schicken sollen Wählerinnen und Wähler einen Bisherigen der eigenen Partei, der sich in der Vergangenheit mehrfach als sicherer Wert entpuppt hat. 

In den Augen der Komitee-Mitglieder ganz offensichtlich zu vielfach. Der frühere SVP-Kantonalpräsident Kurt Küng scheint richtiggehend heiss darauf zu sein, den vermeintlich abgekühlten Langzeit-Nationalrat Roland Borer vollends auf Eis zu legen. Doch der Gang an die Öffentlichkeit ist ein Spiel mit dem Feuer. Einen Flächenbrand wird die Aktion nicht auslösen, aber derartige Schüsse aus der heimischen Hecke stammen nun wirklich nicht aus dem Handbuch «Anleitung zum erfolgreichen Wahlkampf».

Dass standhafte Kühlerfiguren für frustrierten Nachwuchs sorgen, kommt in den besten Parteien vor. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Amtszeitbeschränkung. Das setzt jedoch strategische Aufbauarbeit mit Hoffnungsträgern voraus. Da kann es schon verlockend sein, mühsam erkämpfte Mandate um jeden Preis halten zu wollen.

Besonders, wenn die Partie 6 aus 7 heisst. Auch die SVP hat bewusst auf bewährte Köpfe gesetzt. Kommt sie am 18. Oktober ungeschoren davon, ist ein Generationenwechsel während der nächsten Legislatur ein zu erwartender Schachzug. Unter diesen Vorzeichen haben Störmanöver, die auf persönliche Abrechnungen hindeuten, lediglich Unterhaltungscharakter für die politischen Gegner.