Wahlkampf

Bitte keine Statisten

Das Wahlcouvert mit Inhalt zu den diesjährigen Nationalrats- und Ständeratswahlen ist nun angekommen.

Das Wahlcouvert mit Inhalt zu den diesjährigen Nationalrats- und Ständeratswahlen ist nun angekommen.

Welche Parteien werden die sechs Sitze für Solothurn im Nationalrat ergattern? Wir rechnen die Chancen aus.

Das Wahlmaterial sollte mittlerweile überall mehr oder weniger vollständig in den Briefkästen angekommen sein. Jetzt gilt es ernst. Mindestens zwei Nationalratssitze für die FDP, zwei für die SVP, zwei für die CVP, zwei für die SP und wärs damit nicht genug ... selbst Kleinparteien hoffen auf den einen oder andern Sitz. So weit das Wunschkonzert der Solothurner Parteistrategen, wohlwissend, dass es lediglich sechs Sitze zu ergattern gibt.

Diese Rechnung kann nicht aufgehen, jemand wird Abstriche machen müssen. Da unsere bisherigen Eidgenossen alle wieder antreten, haben wir in unserer Donnerstagausgabe detailliert darüber berichtet, ob und wenn ja, wie sie in Bundesbern wahrgenommen werden. Die Unterschiede sind frappant und sollten aufhorchen lassen.

Skurrile Amtsinhaber

Die Wählerinnen und Wähler sind gefordert: Wenn sich der Kanton Solothurn nur noch mit einer ausgedünnten Deputation in Bern einbringen darf, müssen dringend die fähigsten und engagiertesten Köpfe delegiert werden. Eher nicht in den Rat gehört ein Mitte-Vertreter, der Helikopterflüge zum herausragenden Erlebnis eines nationalen Parlamentariers hochstilisiert – dies notabene vor jungen Erwachsenen, die sich im Schulunterricht gewissenhaft mit Staatskunde beschäftigen.

Verteilen wir in einem ersten Schritt die sechs Solothurner Sitze für die Legislatur 2015 bis 2019. Schwächelt die SVP nicht, was bei der aktuellen geopolitischen Lage kaum zu erwarten ist, sollte ihr Wähleranteil (2011: 24,3 Prozent) für zwei Sitze gut sein. FDP (18,4), SP (18,3) und CVP (17,9) waren vor vier Jahren praktisch gleich auf. Somit gilt es besonders die Listenpartner im Auge zu behalten. Die Sozialdemokraten sollten zusammen mit den Grünen die Kragenweite der SVP erreichen.

Gleiches gilt für die Christlichsozialen, die ohne schwergewichtigen Zugpferde am geschicktesten taktierten und zusammen mit den Grünliberalen, der BDP und EVP eine solide Mitte-Allianz um sich geschart haben. Unter dem Strich dürften diese Blöcke letztlich nicht Welten auseinanderliegen. Die Freisinnigen fühlen sich zwar im Aufwind, doch die Flughöhe der Konkurrenten werden sie nicht schaffen. Mit andern Worten, der Wunsch nach dem zweiten Sitz könnte sich am Wahltag rasch in Luft auflösen.

Trau schau wem

Wie auch schon moniert, sollten sich die Wählerinnen und Wähler des Mitte-Bündnisses bewusst sein, dass sie möglicherweise einem Vertreter nach Bern verhelfen, der in grundlegenden Fragen gar nicht für ihre eigene politische Linie steht. Zweimal die Kandidatenprofile studieren kann demnach nicht schaden.

Womit wir bei den Personen wären. Bisherige treten immer mit einem Bonus an – selbst wenn sie einen Malus verdient hätten. So gesehen würde es nicht überraschen, wenn die Nochnationalräte die Sitze unter sich ausmachen könnten und somit bloss eine Person sich aus Bundesbern verabschieden müsste.

Nun lauern allerdings weitere 140 Aspirantinnen und Aspiranten auf ihre Chance. Sie müssen sich längst nicht alle verstecken, was ihr Potenzial anbelangt. So gesehen wäre die eine oder andere Blutauffrischung durchaus zu begrüssen.

Grosses Werweissen

Derzeit wird überall im Kanton enorm viel und gerne darüber spekuliert, wie es in drei Wochen herauskommen wird. Voraussagen sind bei der jetzigen Konstellation enorm schwierig. Möglich ist nicht alles, aber vieles. Bekanntlich sind längst nicht immer Kompetenz, Leistungsausweis und Engagement massgebend. Allein die Mitgliedschaft bei einer gewichtigen Organisation oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe kann den Ausschlag geben.

Ungeachtet dessen wagen wir eine Prognose. Eine Voraussage, die weniger mit Wunschdenken als vielmehr mit einer realistischen Einschätzung zu tun hat: SVP 2 Sitze, CVP 2 Sitze, FDP und SP je 1 Sitz. Namen? Walter Wobmann und Roland Borer für die SVP, Stefan Müller-Altermatt und ? CVP, Kurt Fluri FDP und Bea Heim SP.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wie gesagt, es wird für alle Bisherigen eng. Auch eine andere Zusammensetzung der Solothurner Deputation wäre keine Wahlsensation.

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