In die Geschichtsbücher späterer Generationen könnte die neu aufflammende Eurokrise als Lehrbeispiel eingehen, wie man durch konzeptloses Klein-Klein ein vielversprechendes Projekt allmählich ad absurdum führt. Gezielte Indiskretionen aus Berlin, man werde auch den bisher so verpönten Austritt eines Mitgliedslandes aus der Währungsunion verkraften, grenzen an Zynismus. Die Nöte der griechischen Normalbürger kann man sicher so arrogant übergehen, weil die griechische Wirtschaftskraft in der EU nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Morgen schon könnte man jedoch für die herablassende Attitüde einen neuen Denkzettel von den Wählern einer Marine Le Pen in Frankreich erhalten oder der Alternative für Deutschland, die sich bei ihrem Erfolg noch am ehesten selbst im Wege zu stehen scheint. Von den Auswirkungen auf die Stimmung in Grossbritannien ganz zu schweigen.

Den Währungshütern von der Europäischen Zentralbank einen Vorwurf zu machen, ist zu billig. Sie haben die Schutzbefohlenen der Euroherde trotz aller Quertreibereien noch am besten zusammengehalten. Die Politik hat versagt und ist immer noch dabei zu versagen. Sie lässt den Eindruck entstehen, das europäische Projekt sei nichts anderes als eine Abfolge von Finanzproblemen. Diese gelte es, von der Entwicklung getrieben, in einer unablässigen Folge von Krisengipfeln zu managen – mitunter unter Vorwegnahme der Entscheidungen der eigenen «Volksvertretungen». So gehandhabt ist die Währungsunion eine Anleitung zum Unglücklichsein.